Erste gemeinsame Schritte

Der Unterricht an der Haupt- und Realschule in Rosche bekommt eine neue Facette: Hier werden auch Schüler der Erich Kästner Schule aus Suhlendorf unterrichtet.Archivfoto: Ph. Schulze

Rosche/Suhlendorf. Als nach den Sommerferien in der „Schule an der Wipperau“ in Rosche der Unterricht wieder aufgenommen wurde, da geschah das dort auch in drei neuen fünften Klassen. Das Besondere daran: Bei einer dieser Klassen handelt es sich nicht um eine Regelklasse der Haupt-und Realschule (HRS), sondern um eine so genannte Kooperationsklasse. Das heißt in diesem Fall, sie ist – und bleibt das auch – eine eigenständige Klasse der Erich Kästner Schule Suhlendorf (EKS), einer Förderschule mit dem Schwerpunkt Lernen. Von Jochen Frenz

Deren Kinder der neuen fünften Klasse, zurzeit zehn Jungen und Mädchen, werden mit Schuljahresbeginn 2010/2011 nicht mehr im Gebäude der Förderschule in Suhlendorf unterrichtet, sondern in dem der Regelschule in Rosche. Dort leben, lernen und kooperieren sie mit den jahrgangsgleichen HRS-Klassen gemeinsam unter einem Dach, wo immer das sinnvoll und möglich ist. Zunächst beschränkte sich das auf ausgewählte Bereiche wie Sport oder Arbeitsgemeinschaften. Mittlerweile werden bereits auch in den Fächern Erdkunde und Geschichte gemeinsame Werkstattarbeiten veranstaltet.

Diese Konstellation ist das Ergebnis einer Kooperationsvereinbarung zwischen den beiden Schulen. „Grundidee ist es, durch die Zusammenarbeit den Schülern beider Schulen sowie deren Lehrkräften gemeinsame Erfahrungsräume zu schaffen, in denen die Schüler unterschiedlicher Schulformen miteinander und voneinander lernen, ihre Unterschiedlichkeit respektieren und sich durch die Begegnung positive Selbsterfahrungen ermöglichen“, erläutert Suhlendorfs EKS-Schulleiterin Nele Anders die Vereinbarung und hält fest: „Die neue Kooperationsklasse und spätere Nachfolgeklassen in den höheren Jahrgängen werden von Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf im Bereich Lernen besucht. Unterricht und Leistungsfeststellung erfolgen nach den schulformspezifischen Vorgaben.“ Förderung und Forderung, so Anders, könnten nicht zuletzt aufgrund der kurzen Wege sowohl innerhalb der Klasse als auch in Kleingruppen oder für einzelne Schüler erfolgen und seien nicht auf Schüler mit Förderbedarf begrenzt. Dadurch profitierten alle Schüler der kooperierenden Klassen von den zusätzlichen Förder- und Fordermöglichkeiten beziehungsweise von den Kompetenzen aller Lehrkräfte.

„Das Kooperationsmodell ist als Prozess der Weiterentwicklung angelegt und setzt die Freiwilligkeit aller Beteiligten voraus“, ergänzt Rolf Seidler, HRS-Schulleiter in Rosche. „Die zuständigen Schulgremien und der Schulträger Landkreis haben sich jeweils einstimmig für das Modell ausgesprochen“, erinnert er und verhehlt nicht, er könne sich gut vorstellen, dass die Erich Kästner Schule bereits zum Schuljahr 2012/13 komplett von Suhlendorf in die Schule an der Wipperau nach Rosche umgezogen sein werde.

Wie Anders und Seidler unisono betonen, wollen beide Schulen durch die Kooperation und ein weitgehend gemeinsames Lernen dahin kommen, „dass jeder unserer Schüler individuell genau dort gefördert und gefordert wird, wo er das braucht“. Sie seien sehr zuversichtlich, das mit ihren engagierten Kollegen auch erreichen zu können. „Weil diese das wollen und auch bereit sind, sich entsprechend weiterzubilden“, sind beide überzeugt und bekräftigen das exemplarisch nicht nur, aber auch mit dem Hinweis auf die jüngste gemeinsame Fortbildung der Kollegien zum Thema „Jahrgangsautonomie“, zu der sie erst vor ein paar Tagen im Suhlendorfer Handwerksmuseum zusammengekommen waren.

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