„Erhebliche Zweifel an der Schuld“

Gericht spricht 31-Jährigen vom Vorwurf der Brandstiftung im Ostkreis frei

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In diesem Waldstück im Uelzener Ostkreis hatten die Feuerwehren am Abend des 31. Juli 2018 einen Brand gelöscht. Ein 31-Jähriger wurde gestern vom Vorwurf der mehrfachen Brandstiftung freigesprochen.

Rosche/Uelzen – Es ist das emotionale Ende eines nervenzehrenden Prozesses. Erleichtert nimmt der 31-Jährige gestern im Uelzener Amtsgericht seinen kleinen Sohn auf den Arm. Familienangehörige umarmen den lächelnden Mann.

Die Anspannung, die noch kurz zuvor geherrscht hatte, ist aus seinem Gesicht gewichen. Denn der Angeklagte ist von Richter Rainer Thomsen vom Vorwurf der mehrfachen Brandstiftung freigesprochen worden.

Vier Taten hatte die Staatsanwaltschaft dem 31-Jährigen aus dem Kreis Uelzen zur Last gelegt. Er soll am Abend des 31. Juli 2018 Feuer in Waldstücken bei Jarlitz, Hohenzethen, Bankewitz und Teyendorf gelegt haben. Beim Prozessauftakt in der vergangenen Woche hatte der Angeklagte eingeräumt, an dem betreffenden Abend in der Nähe einiger Brandorte mit seinem Motorroller spazieren gefahren zu sein. Die Feuer habe er aber nicht gelegt (AZ berichtete).

Zu dieser Überzeugung kam gestern auch das Schöffengericht. Nach all den Zeugenbefragungen sei es „bei vielen Zweifeln und ungeklärten Dingen geblieben“, sagte Thomsen. Herausgekommen sei nach zwei Prozesstagen, „dass man in keinem Fall sicher sagen kann: Er hat die Brände gelegt“, begründete er das Urteil.

Auch Staatsanwalt Thomas Naumann und Verteidigerin Wiebke Schröder hatten auf Freispruch für den 31-Jährigen plädiert. „Es gibt erhebliche Zweifel an der Schuld bezüglich der vier Brandstiftungen“, sagte Naumann. „Ich habe keine Anhaltspunkte gefunden, die für eine Verurteilung reichen.“

So berichtete ein Polizeibeamter gestern als Zeuge, dass sein Diensthund in keinem der vier betreffenden Waldstücke Spuren von Brandbeschleuniger entdeckt habe. Im Blut des Mannes waren auch keine Hinweise gefunden worden, dass er einen solchen Beschleuniger eingeatmet hatte. Ebenso hatten die Ermittler an der Kleidung des Angeklagten am Abend seiner Festnahme keinen Brandgeruch festgestellt. Zudem hatte der 31-Jährige im Zeitraum und Umfeld der Brände nicht mit seinem Handy telefoniert. Das ergab die Auswertung der Funkzellendaten.

Auch aus zeitlicher Sicht spricht einiges gegen die Täterschaft des Angeklagten. Er hatte sich am 31. Juli zwischen 21 und 21.30 Uhr in einem Restaurant in Rosche etwas zu essen geholt und war danach zu seinen Eltern gefahren, die in der Samtgemeinde Rosche wohnen. Dort traf er gegen 22 Uhr ein. Doch das Feuer in Teyendorf war erst gegen 22.23 Uhr gemeldet worden – der 31-Jährige konnte somit nicht der Verursacher sein. „Es gibt keine objektiven Beweise, dass er die Brände gelegt hat“, betonte seine Anwältin.

Was bleibt, sind viele offene Fragen. Es sei nicht auszuschließen, dass die Brände durch weggeworfene Zigaretten, einen heißen Pkw-Katalysator oder Glasscherben verursacht worden waren, sagte Richter Thomsen. Er hob letztlich auch den Haftbefehl gegen den 31-Jährigen auf. Dieser erhält zudem für die fünf Wochen, die er in Untersuchungshaft gesessen hat, eine Entschädigung von 25 Euro pro Tag.

VON BERND SCHOSSADOWSKI

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