Heinrich Priesterjahn auf Spuren von US-Soldaten im Zweiten Weltkrieg / Zeitzeugen gesucht

Mit Drops in der Bauernschänke

Die Crew wurde mit ihrem US-Flieger über Wittingen abgeschossen. Einige Mitglieder wie John J. Thompson landeten im Landkreis Uelzen. Zwei wurden bei Rosche erschossen. Foto: privat

Uelzen/Rosche. Die Suche nach Spuren von Amerikanern während des Zweiten Weltkrieges im Landkreis Uelzen beschäftigt erneut Heinrich Priesterjahn. Der Uelzener hatte schon für den Besuch eines Amerikaners im Juni ehrenamtlich in Archiven recherchiert (AZ berichtete).

In der nächsten Woche verlegt eine weitere Amerikanerin, Lorraine Manatt, ihren Urlaub in die Uhlenköperstadt, um sich anzuschauen, in welcher Region ihr Vater vor 68 Jahren mit einem US-Flieger abgestürzt ist. Daran können sich vielleicht Zeitzeugen noch erinnern, vermutet Priesterjahn und hat sich deshalb des Falls angenommen.

Auf der Suche nach Informationen über den Amerikaner Rod A. Williams stieß Priesterjahn auf den Bericht eines Kameraden von Williams, Co-Pilot John J. Thompson. Demnach starteten die beiden mit sieben weiteren Insassen am 18. März 1945 in dem Flugzeug „Lady Jane II“ vom US-Stützpunkt in England, mit dem Ziel, Berlin zu bombadieren.

„Schließlich waren wir über Berlin“, berichtet Thompson. „Heute waren die Rangierbahnhöfe um Berlin das Ziel.“ Doch bevor es dazu kommt, wird der US-Flieger von einem deutschen Düsenjäger angeschossen: „Das Steuerhorn flog mir an die Brust, und unser Flugzeug bäumte sich auf“, schreibt Thompson. Er schafft es, den Flieger zurück Richtung England zu steuern, während sich Williams um einen verletzten Kameraden kümmert. Nahe Wittingen, so Priesterjahn, treffen erneut Düsenjäger den US-Bomber. Die Crew springt mit Fallschirmen ab. Wo der 34-jährige Williams gerettet wird, ist nicht belegt. Er hat den Vorfall überlebt und ist 1993 gestorben.

Thompson hingegen landet und will fliehen. „Der Jagdflugzeugpilot wusste, wo ich war, und genauso wussten es die Zivilisten am Boden“, schildert er. „Als ich anfing, zu laufen, schossen die Deutschen mit Jagdflinten und Schrotgewehren auf mich.“ Sieben Kilometer von Uelzen entfernt, so liest er es auf einem Ortsschild, wird er gefangen genommen und in eine Bauernschänke gebracht. Priesterjahn vermutet dahinter die Samtgemeinde Rosche, da auch zwei andere aus der Crew in der Gegend gefangen genommen, aber erschossen wurden. Deren Kreuze stehen auf dem Roscher Friedhof. Aus weiteren Dokumenten geht hervor, dass nach dem Krieg jemand aus Göddenstedt wegen des Erschießens eines dieser US-Soldaten in Gefangenschaft kam.

„Ich muss zugeben, dass die deutschen Bauern, die mich gefangen nahmen, mich sehr fair gemäß der Genfer Konvention behandelten“, erinnert sich jedoch Thompson. Zigaretten, Feuerzeug und eine Rolle Drops darf er behalten. Während die anderen Gäste in der Schänke essen, beäugen zwei etwa fünfjährige Mädchen mit großen Augen seine Drops. „Ich teilte die Rolle Drops mit meinem Fingernagel in zwei Teile, und gab die eine Hälfte dem älteren der beiden.“ Im Gegenzug erhielt er ein Glas Wasser. Später wurde er in ein Kriegsgefangenenlager gebracht. Um an weitere Informationen zu kommen, hofft Priesterjahn, dass diese beiden damaligen Mädchen sich an die Situation erinnern und noch mehr erzählen können. Er ist dafür erreichbar unter Telefon (05 81) 1 86 85.

Von Diane Baatani

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