Rätzlinger spielen jeden Sommer Dorfmeisterschaft im Kippel-Kappel aus / Unterdorf gewinnt

Donnernde Schläge aufs Holz

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Das verteidigende Team, hier das Oberdorf, versucht den Kippel zu fangen, was aber nicht immer gelingen will.

Rätzlingen. „Kippel-Kappel ist vor allem eine Sache des Gefühls und der Geschicklichkeit“, sagt Bernd Burmester, Initiator der jährlichen Duelle zwischen Ober- und Unterdorf um die Dorfmeisterschaft in Rätzlingen.

Trennlinie zwischen den Teams bilden die Stöckener und Hanstedter Straße.

Das Spiel selbst war vor allem in der Nachkriegszeit populär. Denn viel brauchte man nicht, um zu spielen. Nur einen Stock, genannt Kappel, und ein kleines, an den Enden zugespitztes Rundholz, den Kippel. „Ein abgebrochener Besenstiel lag ja immer irgendwo zum Spielen rum, und dann waren wir, bis es dunkel war draußen“, erinnert sich Oberdörfler Hartmut Ramünke. Dann, 2015 habe man wieder mit Kippel-Kappel angefangen.

Hoch konzentriert schlägt Hartmut Ramünke den Kippel mit dem Kappel in die Luft.

Die Regeln sind einfach. Das angreifende Team muss den Kippel zunächst wegschlagen und das verteidigende Team versuchen, ihn zu fangen. Gelingt das, gibt es Punkte, je nachdem, ob mit der schwachen, der guten oder beiden Händen gefangen wurde, unterschiedlich viele. Vor allem Ramünke ist dabei erfolgreich. „Vielleicht bin ich zu gut, und deshalb gibt es jetzt weniger Punkte für das Fangen. Aber 40 Jahre Tischtennis zahlen sich halt aus“, meint er. Der Fänger hat dann die Möglichkeit, den Kappel mit dem Kippel abzuwerfen. Klappt das, wechseln die Teams die Positionen. Klappt es nicht, können die Angreifer Punkte machen, indem sie den Kippel mit dem Kappel zunächst in die Luft schlagen und ihn dann mit einen weiteren Schlag wegdonnern. Pro Schritt Entfernung vom Abschlag gibt es dann einen Punkt. Wenn der Kappel zwei- oder dreimal in der Luft getroffen wurde, werden die Punkte verdoppelt oder verdreifacht.

Hört sich einfach an, ist es aber nicht. „Die Unterdörfler können das besser, das sind richtige Cracks“, räumt Oberdörfler Klaus Lorentz ein. Für das Entscheidungsspiel, es steht 3:3, hat er extra seinen Aufenthalt in seiner alten Heimat Rätzlingen verlängert. Er beobachtet gerade, wie einer seiner elf Mitspieler aus dem Oberdorf, Harald Idler, versucht, den Kippel wegzuschlagen. Dann ein sattes Klacken, und der Kippel fliegt über den Bolzplatz bei der alten Schule. Die Richtung des Schlages ist egal – Hauptsache weit. „Der Kippel landet auch mal im Garten oder im Gebüsch“, sagt Burmester.

Ansonsten greife man auch mal zu psychologischen Tricks, sagt Lorentz, um die Unterdörfler aus der Ruhe zu bringen. „Das Sticheln gehört halt dazu. Aber vor allem soll es uns allen Spaß machen.“ So schallt auch mal ein lautes „Geh noch mal in dich“ oder „Glaubst du, du kannst das überhaupt“ über den Platz. Verunsichern lassen sich die fünf Unterdörfler von den Sprüchen nicht. Zwar schlagen auch sie ab und zu Luftlöcher, doch am Ende setzen sie sich mit 334 zu 137 Punkten durch und gewinnen damit nach mehreren Jahren Pause die Dorfmeisterschaft.

Von Lars Lohmann

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