Ägyptische Familie lebt seit zwei Jahren in Bahnsen / „Deutsche haben immer keine Zeit“

Mit Doktor-Titel wieder nach Hause

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Ein bisschen weihnachtet es dann doch: Auch wenn Familienvater Emad Elba und seine Frau Dalya Farghaly mit ihren Kindern Mona und Abdelrahman nicht Weihnachten feiern, haben sie die Vorweihnachtszeit genossen.

Bahnsen. Weihnachten feiern sie heute und morgen nicht, denn sie sind Muslime. Doch ein bisschen haben sie sich in der Vorweihnachtszeit auch verzaubern lassen.

Das ägyptische Ehepaar Emad Elba und Dalya Farghaly lebt mit ihren zwei Kindern Mona und Abdelrahman, genannt Bogy, in Bahnsen.

„Die Christen in Ägypten feiern Weihnachten erst am 7. Januar“, erklärt Familienvater Emad Elba. In seiner Heimat, beide stammen aus Kairo, haben sie viele Freunde, die Christen sind. Das typische Weihnachtsessen ist Truthahn, aber anstatt eines Tannenbaums wird eine Palme geschmückt. „Wir haben auch keinen Schnee in Ägypten“, sagt der Exil-Bahnsener verschmitzt. Doch auf die weiße Pracht der letzten beiden Jahre müssen sie dieses Mal in Bahnsen verzichten. Natürlich seien die Kinder etwas traurig, dass man nicht Weihnachten feiere, sagt der Vater. In der Schule und im Kindergarten ist das Fest eben auch allgegenwärtig. Und der vierjährige Bogy zeigt stolz seinen selbstgebastelten Weihnachtsmann. Einen Schoko-Adventskalender haben die beiden Kinder natürlich auch.

Seit vier Jahren lebt das Ehepaar mit den Kindern in Deutschland. Emad Elba war zuerst ohne Familie für zwei Jahre in Suderburg und machte dort seinen Master. Anschließend zog er dann nach Bahnsen. Vor zwei Jahren kam auch seine Frau von Ägypten nach Bahnsen. Beide haben in Suderburg studiert und machen nun ihren Doktor. Er ist Bauingenieur, Dalya Farghaly ebenfalls, jedoch konzentriert sie sich mehr auf Wasser. „Ich werte für meine Doktorarbeit Satellitenbilder der Elbe aus und untersuche, welche Probleme bei Hochwasser entstehen“, erläutet die Ägypterin. Ihr Mann beschäftigt sich mit dem Nasser-See und der Wasserverdunstung.

Der Plan der beiden ist es, nach der Doktorarbeit wieder in ihre Heimat zurückzukehren. Emad Elba arbeitet dort für das Ministerium für Wasserwirtschaft und hat bereits in allen Ländern gearbeitet, durch die der Nil fließt. „Wir wollen auch wieder zurück zur Familie“, unterstreicht Dalya Farghaly. Bis vor kurzem war noch die Mutter von Emad Elba zu Besuch, doch nach einem halben Jahr ist ihr Visum abgelaufen und sie musste wieder nach Ägypten zurück. „Außerdem war es ihr hier zu kalt“, betont der Ägypter. Sie telefonieren regelmäßig, schließlich passiert in Nordafrika derzeit so einiges. „Die Polizei macht große Probleme aus kleinen Problemen“, weiß Emad Elba. Die Polizei habe schließlich immer das System des ehemaligen Präsidenten Husni Mubarak unterstützt. Laut Emad Elba brauchen die Ägypter jetzt vor allem Zeit, Geduld und Kraft. Und die Deutschen? „Deutsche haben immer keine Zeit“, sagt der Ägypter. Und sie brauchen einen Plan. „Aber dann helfen sie 100-prozentig“, lächelt der Exil-Bahnsener und äußert einen Wunsch: „Ich würde gern mehr Deutsch sprechen.“ Gelernt hatte er die Sprache in Bremen. „Dort hatte eine alte Frau mit mir eine Stunde pro Woche geübt. Wir haben einfach nur geredet.“ Die beiden Kinder hingegen müssen Arabisch lernen. Deutsch und Englisch aber auch. Und Mona spricht inzwischen sogar Plattdeutsch. Während des Weihnachtsbaumaufstellens in Bahnsen sagte sie ein plattdeutsches Gedicht auf. Emad Elba: „Wir sind immer dabei, wenn hier etwas los ist. In Ägypten sitzt keiner allein, deswegen kennen wir das.“

Von Jörn Nolting

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