Dachpfannen als Wurfgeschosse

Eine Spur der Verwüstung zog sich durch das gesamte Haus in Batensen. Der 45-jährige Randalierer wurde inzwischen in die Psychiatrische Klinik Uelzen eingewiesen.

Batensen - Von Jörn Nolting. Die Schreie schallten am Montagabend über den Hof in Batensen bis zur Nachbarin. Diese fasste sich ein Herz und schaute nach dem Rechten. Das Bild, das sich ihr nebenan bot, war erschreckend: Der 45-Jährige hatte seine 39-jährige Ex-Freundin vor dem Haus in einem festen Griff. „Ich habe gedacht, ich rede erstmal mit ihm“, schilderte die Nachbarin, der der 45-Jährige kein Unbekannter war. Seit Oktober war das Paar getrennt und im Dezember ging die 39-Jährige polizeilich gegen ihren Ex-Freund vor, weil er immer wieder vor ihrer Tür stand. Doch bis Montag wurde er nie gewalttätig.

„Schon als er um die Ecke kam, wusste ich, was passiert“, schilderte die 39-Jährige gestern gegenüber der AZ. Schon an seinem Blick hatte sie erkannt, dass er betrunken war. „Er wollte 10 000 Euro von mir“, erzählt die Betroffene den Beginn eines nervenaufreibenden Abends.

„Verpiss dich, du Schlampe“, schleuderte der 45-jährige Wrestedter der Nachbarin entgegen, als diese versuchte, mit ihm zu reden. Weitere Schimpfwörter folgten. Diesen Moment nutzte die Ex-Freundin, um in ihr Haus zu gelangen. Doch noch bevor sie die Tür zuschlagen konnte, hatte ihr Ex-Freund seinen Fuß dazwischen. „Ruf die Polizei“, schrie sie ihrer Nachbarin noch entgegen, bevor sie von ihrem ehemaligen Freund zu Boden geschlagen und gewürgt wurde. Nach dem Anruf um 21.50 Uhr gelang es der Nachbarin und der 39-Jährigen zu fliehen. Sie verschanzten sich im Haus der Nachbarin. Inzwischen kamen noch weitere Einwohner des Ortes zum Ort des Geschehens, während der 45-Jährige im Haus wütete und auch die vor der Tür stehenden Autos zerstörte. Er zerstörte das gesamte Wohnungsinventar seiner Ex-Partnerin und zerschlug Fensterscheiben. Kurz bevor die Polizei eintraf, kletterte er auf das Dach und begann, die Dachpfannen herauszureißen. Mit eben diesen Dachpfannen bewarf er unter fortwährenden Beleidigungen die Polizeibeamten, die zu viert angerückt waren. „Durch die Splitter der Dachpfannen wurden einige der Beamten leicht verletzt“, berichtet Polizeipressesprecherin Nicole Winterbur.

Nach einiger Zeit war der Randalierer verschwunden. Die Polizei nahm die Verfolgung auf. „Rund eine Stunde lang war er verschwunden“, erinnert sich die Nachbarin, die zu diesem Zeitpunkt Angst hatte, dass der 45-Jährige wieder zurückkehrt. Das tat er dann auch. Im Haus der 39-Jährigen, die sich noch immer bei ihrer Nachbarin befand, setzte er seine Randale fort. Dort konnten ihn dann allerdings die Polizeibeamten – die zwischenzeitlich schon das Sondereinsatzkommando angefordert hatten – den 45-Jährigen mit Pfefferspray überwältigen und festnehmen. Das Sondereinsatzkommando konnte wieder abbestellt werden. 1,02 Promille wurden im Blut des Randalierers festgestellt. Des Weiteren stand er unter Medikamenteneinfluss. Die Nacht musste er in einer Zelle verbringen. „Ich kann mich nicht frei bewegen, wenn ich weiß, dass er auf freiem Fuß ist“, sagte die 39-Jährige.

Mit Beschluss des Landkreises wurde der 45-Jährige gestern vormittag in die Psychiatrische Klinik Uelzen eingewiesen. Die Polizei leitete mehrere Strafverfahren ein, unter anderem wegen Widerstand gegen Polizeibeamte, Hausfriedensbruch, Körperverletzung, Bedrohung und Sachbeschädigung.

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