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Wolfsangriff in Prielip: Bürgerinitiative schickt Brief mit Fragen an Umweltminister Meyer

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Von: Bernd Schossadowski

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Terrier Leo mit seinem Frauchen
Terrier Leo (hier mit Frauchen Ursula Balthasar) wurde am 17. November in Prielip von einem Wolf so schwer verletzt, dass er eingeschläfert werden musste. © Privat

Nach dem Wolfsangriff auf einen Hund in Prielip stellt jetzt auch die Bürgerinitiative (BI) Weidetier-Mensch-Wolf Nord-Ost-Heide in einem offenen Brief unbequeme Fragen an Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer (Grüne).

Die Diskussion um Konsequenzen nach dem Angriff eines Wolfes auf einen Hund in Prielip zieht immer weitere Kreise. Wie berichtet, hat Rosches Samtgemeindebürgermeister Michael Widdecke das niedersächsische Umweltministerium und aus der Region stammende Abgeordnete des EU-Parlaments, des Bundes- sowie Landtags angeschrieben und um Information gebeten, wie ein solcher Vorfall künftig vermieden werden kann. Jetzt wendet sich auch die Bürgerinitiative (BI) Weidetier-Mensch-Wolf Nord-Ost-Heide mit einem offenen Brief an Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer (Grüne).

Dieser habe sich bislang nicht gegenüber den Medien zu dem aktuellen Sachverhalt geäußert, kritisiert BI-Sprecher Günther Winkelmann aus Dreilingen. Vielen Bürgern im Landkreis Uelzen stelle sich aber die Frage, wie es in der Thematik weitergehen soll „und ob nicht die lange befürchtete Annäherung der Wölfe an uns Menschen weiter voranschreitet“, so Winkelmann.


Im Namen der BI konfrontiert er Meyer daher mit konkreten Fragen: Ist künftig von einer steigenden Gefahr für Haushunde auszugehen? Sind Hundehalter, deren Tiere von Wölfen als Beute oder Konkurrenten wahrgenommen werden, selbst gefährdet oder kann Meyer dieses Szenario sicher ausschließen? Empfiehlt er, in der Dunkelheit Wolfsgebiete – eventuell auch Dorfränder – mit Hunden zu meiden? Weiter heißt es in dem Brief: „Würden Sie es persönlich für vertretbar halten, dass sich etwa ein zwölfjähriges Kind mit einem Hund in der freien Landschaft bewegt oder halten Sie hier Einschränkungen für notwendig?“

Interessieren würde die BI auch, ob Meyer eine weitere Beobachtung des festgestellten Rudels – der Angriff auf den Hund am 17. November in Prielip erfolgte laut DNA-Untersuchung von einem Rüden aus dem Göhrde-Rudel –für nötig hält. „Ist hier beispielsweise eine Besenderung eines Wolfes angedacht und in Vorbereitung oder kommt etwa auch eine Vergrämung, beispielsweise mit Gummigeschossen, in Betracht?“, will die BI wissen. Und sie fragt, ob das Land der Hundehalterin eine Entschädigung zahlt oder die entstandenen Tierarztkosten übernimmt.


Winkelmann verweist in dem Brief auch auf ein Interview, in dem Meyer erklärt hatte, dass nach Nutztierrissen die als problematisch eingeschätzten Wölfe rechtssicher entnommen werden müssten. „An dieser Aussage werden wir Sie messen“, heißt es im Schreiben der BI. Dabei sei „eine zügige und pragmatische Umsetzung erforderlich“. Sehr wichtig für eine weitestgehende Akzeptanz der Wölfe bleibe, „bei auftretenden Problemen schnell und zielgerichtet im Sinne eines Managements zu handeln. Ein bloßes Monitoring ist dafür sicherlich kein Ersatz“, betont Winkelmann.

Auch der Bezirksverband der Jungen Union (JU) Lüneburg fordert eine stärkere Regulierung des Wolfsbestandes. Dieses Thema habe insbesondere nach dem Vorfall in Prielip oberste Priorität. „In der Lüneburger Heide gibt es einen der höchsten Wolfsbestände der Welt. Die Population wächst weiterhin exponentiell. Wolfsrisse häufen sich. Worauf sollen wir noch warten? Wir müssen jetzt handeln“, betont JU-Bezirksvorsitzender Jon Matz. Immer mehr Weidetierhalter stünden vor existenziellen Problemen, eine Anfütterung des Wolfes könne diesen irgendwann auch für Menschen gefährlich machen.

Die Forderung des EU-Parlaments nach einer neuen Wolfsstrategie der Kommission ist aus der Sicht der JU ein erster Schritt. Dieser sei aber nicht genug. Vielmehr unterstützt der Bezirksverband die Forderung der JU Niedersachsen nach einem Zonen-Modell: Je nach Populationsdichte solle der Wolf unterschiedlich stark beziehungsweise gar nicht bejagt werde

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