Aktionstag im Handwerksmuseum

Wie die Bockwindmühle  „Auguste“ in Suhlendorf zu ihrem Namen kam

Die alte Bockwindmühle „Auguste“ stand im Mittelpunkt des gestrigen Aktionstages im Handwerksmuseum.
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Die alte Bockwindmühle „Auguste“ stand im Mittelpunkt des gestrigen Aktionstages im Handwerksmuseum.

Suhlendorf – Aktionstage sind im Suhlendorfer Handwerksmuseum mit besonderen Erlebnissen verbunden. Das Zusammenspiel ehrenamtlicher Helfer, engagierter Handwerker und interessierter Gäste lässt einen Besuch zu einem familiären Ereignis werden.

Im Mittelpunkt des gestrigen Aktionstages stand die alte Bockwindmühle „Auguste“, Schmuckstück und Wahrzeichen des Museums am Mühlenberg.

Hobby-Müllerin Antje Nöbbe erklärt den Interessierten den Mahlvorgang in der Mühle.

Sie war zum ersten Mal in diesem Jahr auf neugierige Besucher vorbereitet. Im Jahre 1810 wurde die Mühle in der Nähe von Braunschweig erbaut und vom Müllermeister Busch betrieben. „Vom Müllermeister wissen wir nicht viel, wohl aber von seiner Frau Auguste“, erzählte Hobby-Müllerin Antje Nöbbe bei einer Führung durch das funktionstüchtige Gebäude. „Es war früher üblich, dass eine Mühle den Namen der ersten Müllersfrau bekam.“

Und man erfuhr, dass solche Frauen schon kräftig sein mussten. „Auch Auguste hatte damals mit anpacken und auf Weisung ihres Gatten die Mühle mit dem Stert in den Wind drehen müssen.“ Müller waren in früheren Jahren nicht nur Müller. „Neben ihrer Tätigkeit in der Mühle waren sie meist auch Totengräber, Wegeunterhalter oder auch Nachrichtenübermittler“, weiß Nöbbe zu berichten. „Durch die Stellung der Flügel konnte der Müller Freudenereignisse oder auch Trauerfälle anzeigen. Und natürlich auch Arbeitspausen.“

Mit einem Eimer Korn ging es hinauf in die Mühle, um das Getreide zu zermalmen. Angetrieben wurden die Mahlsteine von einem Elektromotor. „Aus Sicherheitsgründen lassen wir die Windkraft aus dem Spiel“, erläuterte Nöbbe die modernere Technik, als eine Etage tiefer Mehlstaub den erfolgreichen Mahlvorgang verkündete.

„Auguste“ fand 1944 durch einen Blitzschlag und völliger Zerstörung ihr vorläufiges Ende. 30 Jahre später wurde sie in Einzelteile zerlegt und in Suhlendorf wieder aufgebaut. Ein Modell in der Ausstellungshalle zeigt den Werdegang dieser einzigartigen Mühle. Viele weitere originalgetreue und maßstabsgerechte Modelle liefern nicht nur Informationen, sondern begeistern auch immer wieder die kleinen Besucher, die auf Knopfdruck die Mühlen in Bewegung setzten.

Lang war die Liste der Handwerker, die bei den hohen Temperaturen ihren Berufen nachgingen und die Besucher an praktischen Beispielen über ihre Künste informierten. Unter anderem Bäcker, Imker, Drucker, Stuhlflechter, Schmied und Friseurin gaben sich in den Gebäuden ein Stelldichein. Tischler Ronald Homann aus Lüder war zum zweiten Mal dabei und fand ein schattiges Plätzchen in der Handwerksscheune. VON ULRICH BLEUEL

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