Beutegreifer ist Gefahr für Bodenbrüter und Jungwild

Goldschakal erstmals im Landkreis Uelzen nachgewiesen

Ein Goldschakal steht auf einem kleinen Felsen.
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Ähnlich wie ein Fuchs, aber hochbeiniger und mit kürzerem Schwanz: Ein Goldschakal, hier ein Archivfoto, wurde in der Samtgemeinde Rosche nachgewiesen.
  • Bernd Schossadowski
    VonBernd Schossadowski
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Im Landkreis Uelzen ist ein weiterer Beutegreifer aufgetaucht. Hegeringleiter Jochen Becker hat in der Samtgemeinde Rosche einen Goldschakal entdeckt. Fotos einer Wildkamera brachten den eindeutigen Nachweis des Tieres.

Rosche – Als Jochen Becker, Leiter des Hegerings Uelzen und Ausbilder für Jungjäger in der hiesigen Jägerschaft, morgens um 5.30 Uhr auf seinem Hochsitz in der Samtgemeinde Rosche saß, machte er eine erstaunliche Entdeckung. „Ich habe gedacht: Was ist das für ein großer Fuchs“, erzählt der Wierener im AZ-Gespräch. Mit einem Lockinstrument, das einen Vogellaut imitierte, gelang es Becker, die Aufmerksamkeit des ungewöhnlichen Tieres zu wecken. Bis auf 30 oder 40 Meter näherte es sich dem Hochsitz. Dann erkannte Becker, um welche Spezies es sich handelt. „Es hatte längere Läufe und einen kürzeren Schwanz als ein Fuchs. Da war für mich ganz klar: Es ist ein Goldschakal.“

Über diese Sichtung, die sich Ende August zugetragen hat, ist Becker alles andere als erfreut. Denn mit dem Goldschakal hat ein weiterer Beutegreifer im Landkreis Uelzen Einzug gehalten – nach Marderhund, Waschbär, Fuchs, Dachs, Baum- und Steinmarder, Iltis oder Wiesel. Nicht zu vergessen sind zwei weitere Tierarten: „Der Luchs breitet sich immer weiter vom Harz aus. Und der Wolf vermehrt sich ohne jegliche Bremse“, beklagt Becker.

Durch die Ausbreitung des Goldschakals in den hiesigen Gefilden wachse die Gefahr für Bodenbrüter. „Wann haben Sie zuletzt einen Kiebitz oder eine Feldlerche in freier Natur gesehen?“, fragt Becker. Auch Jungwild gerate durch die zunehmende Zahl der Beutegreifer immer mehr unter Druck. „Der Goldschakal ist stärker als ein Fuchs. Er wird auch ein Rehkitz reißen können. Auch ein Junghase ist gegen ihn wehrlos.“ Ausgewachsenes Reh-, Rot- oder Schwarzwild jage der Goldschakal hingegen nicht – es ist für ihn zu groß.

Beckers Beobachtung vom Hochsitz aus war übrigens nicht die einzige Sichtung des Goldschakals. Nur wenige Tage später wurde ein solches Tier von der Wildkamera eines befreundeten Jägers in der Samtgemeinde Rosche fotografiert. Die Aufnahme wurde ans Wolfsbüro der Landesjägerschaft geschickt, das sie als eindeutigen Nachweis einstuft. Und am 17. und 18. Oktober, so Becker, hätten zwei weitere Wildkameras im Landkreis Fotos von einem Goldschakal gemacht.

Auch im Landkreis Celle wurde das hochbeinige Tier bereits nachgewiesen. Anfang Juli wurde ein Exemplar in Winsen (Aller) von einem Auto erfasst und getötet. Zuvor war ein Goldschakal im Nachbarkreis mehrfach in Fotofallen gelaufen. Das zeige, dass die Sichtung im Uelzener Ostkreis kein Einzelfall war, sondern sich der Goldschakal inzwischen auch in Niedersachsen ausbreitet, erklärt Becker.

Genauso wie Waschbären und Marderhunde gehören Goldschakale zu den sogenannte Neozoen, also zu nicht heimische Tierarten, die sich einen neuen Lebensraum erschlossen haben. „Sie kommen ursprünglich aus Nordafrika und Vorderasien, sind aber schon seit Jahren in Osteuropa, zum Beispiel in Ungarn, heimisch geworden“, berichtet Becker. Über Österreich und Süddeutschland seien Goldschakale nunmehr nach Norddeutschland eingewandert.

Aktuell zählt der Goldschakal zu den geschützten Tieren, denn er wurde in Deutschland bislang nicht ins Jagdrecht aufgenommen. Für Menschen stelle der Beutegreifer, der elf bis 15 Kilogramm schwer werden kann, keine Gefahr dar, versichert Becker, „auch nicht für den Hund eines Spaziergängers im Wald“.

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