Motorsägenkünstler Andree Löbnitz gestaltet gefällte Eiche in Rätzlingen zur Figur des Fisches Kuno um

Vom Baumstamm zum Kult-Karpfen

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Motorsägenkünstler Andree Löbnitz (links) und der Rätzlinger Hartmut Ramünke präsentieren den Baumstamm, aus dem die Karpfen-Skulptur angefertigt wird. Dahinter ist der 3,40 Meter hohe Eichenstumpf zu sehen, der zu einem Relief mit Symbolen örtlicher Vereine und Verbände wird.

Rätzlingen. Der Eichenstamm ist 1,50 Meter lang, fast genauso breit und wiegt mindestens zweieinhalb Tonnen. Seine Rinde ist fleckig, rau und voller Risse. Kaum zu glauben, dass daraus mal ein Kunstwerk wird.

Doch Motorsägenkünstler Andree Löbnitz freut sich schon darauf, das massive Stück Holz umzugestalten. „Das wird der größte und schwerste Fisch in der Region“, verrät er. Genauer gesagt soll es eine Holzfigur von Kuno werden, jenes Kult-Karpfens, nach dem jedes Jahr beim Rätzlinger Fischfest der Dorfteich abgesucht wird – bislang aber vergeblich.

Die Skulptur soll als krönender Abschluss auf den Eichenstumpf gesetzt werden, der vor dem alten Feuerwehrhaus steht. Wie berichtet, war der etwa 150 Jahre alte Baum mit Pilzen befallen und wurde daher im Dezember 2017 auf Beschluss des Gemeinderates gefällt. Übrig geblieben sind ein 3,40 Meter hoher Stumpf und jenes 1,50 Meter lange Stammstück, das aus dem Baum herausgesägt wurde.

„Kuno hat mir erzählt: ,Ihr redet immer über mich, jetzt müsst ihr auch mal ein Abbild von mir schaffen‘“, sagt Löbnitz und grinst schelmisch. Der 56-Jährige hat auch schon eine Idee, wie der Karpfen aussehen soll: „Schön dick und rund, mit Schuppen und offenem Maul.“ Mit Fisch-Skulpturen kennt sich Löbnitz aus. Vor dem Friesenmuseum in Wyk auf Föhr steht ein sieben Meter langer Blauwal aus Holz, den er mit seiner Motorsäge angefertigt hat.

Die Herstellung von Kuno wird etwa einen Tag dauern, schätzt Löbnitz. Demnächst will er sich auf seinem Sägeplatz in Hösseringen ans Werk machen. Zum Schluss soll Kuno mithilfe eines Teleskop-laders auf den Baumstumpf am Gerätehaus gesetzt und mit Bolzen befestigt werden.

Auch den Eichenstumpf wird Löbnitz künstlerisch gestalten. Ursprünglich, so die Idee der Rätzlinger Ortswehr, sollte daraus die Figur eines Feuerwehrmanns werden. „Aber es gibt im Kreis Uelzen schon genügend Skulpturen von Feuerwehrleuten“, sagt Löbnitz. Sein alternativer Vorschlag stieß hingegen auf offene Ohren: Auf dem Stamm sollen sich die Vereine und Verbände des Ortes, unter anderem der TV Rätzlingen, die Kyffhäuser und die Feuerwehr, in einem Relief wiederfinden. Wie dieses aussehen soll, will sich Löbnitz noch überlegen. Auf jeden Fall wird er das Kunstwerk während des Fischfests am Sonnabend, 20. Oktober, vor den Augen der Besucher gestalten. Finanziert werden soll das Ganze aus den Erlösen, die die Dorfgemeinschaft bei dem Fest erzielt.

Von diesen Plänen ist Hartmut Ramünke begeistert. Der Rätzlinger ist Feuerwehrmann und hat das Pflanzbeet rund um die alte Eiche jahrelang gepflegt. Mit seiner Motorsäge hat er kürzlich die Rinde des Eichenstumpfs entfernt. „An drei Samstagen. Das hat etwa sieben Stunden gedauert“, erzählt er. Nach dem Dorffest wird auch das Beet neu bepflanzt. Es soll ein echter Blickfang in der Ortsmitte werden, verspricht Ramünke.

Von Bernd Schossadowski

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