Lebensräume für Fliegenlarven: 230 Tonnen Steine und Kies werden eingebaut

Bagger-Einsatz mitten in der Gerdau

Im Ortskern von Gerdau geht es rund. Im Auftrag des Uelzener Unterhaltungsverbandes bauen zwei Kettenbagger derzeit große Mengen Steine und Kies in den Fluss ein. Dieser wird damit ökologisch aufgewertet. FotoS: SCHOSSADOWSKI
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Im Ortskern von Gerdau geht es rund. Im Auftrag des Uelzener Unterhaltungsverbandes bauen zwei Kettenbagger derzeit große Mengen Steine und Kies in den Fluss ein. Dieser wird damit ökologisch aufgewertet.

Gerdau – Schwungvoll kippt der Bagger die faustgroßen Steine in die Gerdau. Als die Ladung von der Schaufel in den Fluss stürzt, spritzt eine Wasserfontäne empor.

Verbandsingenieurin Sarina Brandenburg.

Sarina Brandenburg, Ingenieurin beim Kreisverband der Wasser- und Bodenverbände Uelzen, steht am Ufer des Gewässers im Ortskern von Gerdau und nickt zufrieden. Zurzeit werden im Auftrag des Unterhaltungsverbandes mehr als 230 Tonnen Steine und Kies in die Gerdau eingebaut. Es handelt sich um ei- ne Renaturierungsmaßnahme, die Kleinstlebewesen, speziell Fliegenlarven, zugute kommen soll. Denn die finden in diesem Teilstück der Gerdau – östlich der Brücke an der Hauptstraße – bislang keine optimalen Lebensbedingungen.

Der Grund: Im Flussbett gibt es Reste einer Betonsohle, die vor Jahrzehnten eingebaut wurde, erzählt Sarina Brandenburg. „Die Sohle ist so glatt, dass die Kleinstlebewesen keinen Halt finden und abgeschwemmt werden.“ Deshalb wird dort jetzt Kies in verschiedenen Größen eingebracht. „Die Fliegenlarven nutzen die Lücken in den Hohlräumen als Lebensraum“, erläutert die Verbandsingenieurin.

Außer Kies und kleineren Steinen werden auch große Findlinge in die Sohle der Gerdau eingebracht.

Zwei wendige Kettenbagger sind derzeit mitten in der Gerdau im Einsatz. Der größere nimmt die Steine, darunter einige mächtige Findlinge, und den Kies vom Uferbereich auf, der kleinere verteilt das Material mit der Schaufel im Fluss. Das Ganze dient noch einem weiteren Zweck: Die etwa 30 Meter lange Sohlrampe wird auf 60 Meter verlängert. Bisher ist sie viel zu steil, die Fließgeschwindigkeit ist entsprechend hoch. Daher schaffen es schwimmschwache Fische wie die Mühlkoppe nicht, stromaufwärts zu kommen. „Durch die Verlängerung der Sohle wird das Gefälle der Gerdau verringert. Wir haben festgestellt, dass die Fließgeschwindigkeit schon abgenommen hat“, schildert Brandenburg.

Durch den Stein- und Kieseinbau wird auch die Durchlässigkeit der Gerdau hergestellt. Damit setzt der Unterhaltungsverband die europäische Wasserrahmenrichtlinie um. Diese hat das Ziel, Fließgewässer in einen guten ökologischen Zustand zu versetzen. Das Projekt in Gerdau hat ein Kostenvolumen von etwa 15 000 Euro. 90 Prozent davon werden vom Land Niedersachsen gefördert, den Rest steuert der Unterhaltungsverband bei.

Genauso sah die Kostenaufteilung bei einer weiteren Maßnahme zur Entwicklung der Gerdau aus: In der vergangenen Woche wurden in Bohlsen rund 200 Tonnen Kies in den Fluss eingebaut, um auf einer Länge von 60 bis 70 Metern Laichplätze für Fische zu schaffen. „Damit wurde die Struktur der Sohle aufgewertet“, erklärt Sarina Brandenburg. Dort beliefen sich die Gesamtkosten ebenfalls auf rund 15 000 Euro.

Im kommenden Jahr soll es mit einer ähnlichen Maßnahme in Eimke weitergehen. Dann wird an der alten Mühle die Durchgängigkeit der Gerdau wieder hergestellt. VON BERND SCHOSSADOWSKI

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