Spanische Beregnungsverbände zu Gast in Güstau und Stöcken / Umgang mit der begrenzten Ressource Wasser

Anregungen aus der Samtgemeinde Rosche

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Güstau/Stöcken. Der Dachverband der spanischen Beregnungsverbände (Fenacore) unternimmt regelmäßig Exkursionen in europäische Länder. Eine rund 40-köpfige Delegation, vorwiegend bestehend aus Landwirten, war nun zu Gast in der Samtgemeinde Rosche.

„Die Heideregion und speziell der Landkreis Uelzen ist eines der intensivsten Beregnungsgebiete in Deutschland“, erklärt Dr. Jürgen Grocholl, Leiter der Bezirksstelle Uelzen der Landwirtschaftskammer. Nur in Rheinland-Pfalz gebe es noch eine vergleichbar wasserbedürftige Region. Grund für den Bedarf sei der leichte Sandboden, der von Natur aus ein geringes Wasserhaltevermögen besitze. Andererseits eigne sich der Untergrund wegen seiner Konsistenz sehr gut für den Anbau von Kartoffeln. Die lassen sich so wesentlich einfacher ernten, als aus fester beschaffenen Erdreichen. „Doch wie jede Pflanze benötigt auch die Kartoffel Wasser“, sagt Dr. Grocholl.

Das sei jedoch noch kein Vergleich zu den Verhältnissen in Spanien, wo das trockene Klima die Situation enorm verstärke. Ein Landwirt, der aus einer besonders trockenen Region Spaniens kommt, erzählte ihm von den extremen Bedingungen in seiner Heimat. „Dort hatte es einmal von der Saat bis zur Ernte keine Niederschläge gegeben“, gibt Dr. Grocholl die Erfahrung des Maisbauers wieder.

Kein Wunder also, dass der Wasserbedarf für die Landwirtschaft in dem südeuropäischen Land wesentlich größer ist. „Fenacore beregnet eine Fläche von rund 2 Millionen Hektar“, erläutert Ulrich Ostermann, Geschäftsführer des Kreisverbands der Wasser- und Bodenverbände Uelzen, „zum Vergleich: in Deutschland stehen etwa 550 000 Hektar unter Beregnung.“ Dennoch hat man es grundsätzlich mit den gleichen Problemen zu tun und tauscht sich über die Lösungsansätze aus. Die Frage, die dabei im Mittelpunkt steht, lautet: Wie geht man mit der begrenzten Reesource um?

Um sich ein genaueres Bild von den hiesigen Verhältnissen machen zu können, war die spanische Reisegruppe auf einem Landwirtschaftsbetrieb in Güstau zu Gast. Dort berichtete Betreiber Lutz Meyer über seine Arbeit, ein Vortrag Dr. Grocholls zu den Entwicklungsvorhaben der Wasserbewirtschaftung und Ostermanns zu den Aufgaben seines Verbandes schlossen sich an. Dabei ging es vor allem um die Möglichkeit, den Grundwasserhaushalt durch anderweitige Quellen wieder aufzustocken – etwa durch Produktionsabwässer der örtlichen Industrie. Zur Veranschaulichung dieses Potenzials besichtigte die Gruppe anschließend das Speicherbecken in Stöcken, in dem die Produktionsabwässer der Zuckerfabrik lagern.

Ein weiterer Ansatz besteht in der Umstellung des Kläranlagenbetriebs, erklärt Dr. Grocholl. Statt das verbrauchte Trinkwasser nach seiner Aufbereitung in die Ilmenau und damit aus dem Landkreis herauszuleiten, könnte man den Kreislauf innerhalb der Region schließen, indem man es nämlich versickern lässt und damit den Grundwasserhaushalt auffüllt. Gerade vor dem Hintergrund ihres noch deutlich höheren Wasserverbrauchs stoßen derartige Konzepte auch in Spanien auf großes Interesse.

Von Karsten Tenbrink

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