Römstedt vor Verkehrskollaps?

Ein gutes Dutzend Bürger verfolgte die Debatte über die A 39.Foto: Manicke

Römstedt. Dass die Autobahn 39 gebaut wird, darüber herrscht im Rat der Gemeinde Römstedt wohl Einigkeit, denn sie sei politisch gewollt, unterstrich Bürgermeister Bernd Lüders während der Ratssitzung am Mittwochabend im Dorfgemeinschaftshaus. Allerdings stoßen die Trassenführungen auf wenig Gegenliebe bei der Mehrheit des Rates. Ein klares Votum für den Bau der A39 gaben die Ratsherren Rainer Schenk, Rainer Bechtloff und Klaus-Dieter Becker ab.

Ausführlich hatte der Rat in zwei nichtöffentlichen Sitzungen über das Thema "Autobahnbau" diskutiert. Das Ergebnis wurde am Mittwochabend vorgestellt, denn bis zum heutigen Freitag muss die Stellungnahme zur Linienführung der A 39 bei der Landesbehörde für Straßenbau in Lüneburg vorliegen.

Am ehesten leben könne man mit der Vorzugsvariante, die westlich von Römstedt verläuft (die AZ berichtete), wurde unterstrichen. Die anderen möglichen Trassenführungen im Bereich der Gemeinde wurden abgelehnt. Genauso abgelehnt wurde der Bau einer Abfahrt zwischen Römstedt und Bad Bevensen. Zu- und Abfahrten sollten über Bundesstraßen erfolgen, denn die Landesstraßen könnten die zusätzliche Aufnahme von Pkws und Lkws nicht leisten.

Aufgrund von Lärm und Verkehr würden unzumutbare Belastungen auf die Bürger der Gemeinde Römstedt zukommen, die nicht hinnehmbar seien, schreibt der Rat in seiner Einwendung. Auch wird auf die Nähe der Autobahn zum Baugebiet in Römstedt hingewiesen, das die einzige Möglichkeit sei, Bauwillige aus der Gemeinde mit Grundstücken zu versorgen. Die Planung der Autobahnabschnitte würden schon heute den Verkauf von Grundstücken beeinträchtigen, unterstrich Bernd Lüders.

Durch den Bau der Autobahn wird eine Zunahme des Verkehrs durch Römstedt befürchtet, von 7200 Pkws und 800 Lkws pro Tag ist die Rede. Die Verkehrsbelastung der Landesstraße 252 in der Ortschaft Römstedt sei mit circa 2300 Fahrzeugen pro Tag derzeit schon ausgereizt. Die Landesstraße teile den Ort Römstedt in einen Nord- und Südteil. Ein gefahrloses Überqueren sei schon heute sehr schwer, aber mit dem Zubringerverkehr zur Autobahn fast unmöglich, befürchtet der Rat. Um eine Entlastung zu erreichen, müsste eine Umgehungsstraße gebaut werden. Doch das sei aufgrund der geographischen Verhältnisse nicht möglich.

Auf Kritik stößt auch, dass durch die Varianten 515 (Vorzugstrasse) und 516 bis auf einen alle Verbindungswege nach Bad Bevensen abgeschnitten werden. Besonders, der Medinger Weg, so Bernd Lüders, diene nicht nur der Landwirtschaft, sondern werde insbesondere von Fußgängern und Radfahrern zur Erholung und Freizeitgestaltung genutzt. Die wichtigste Verbindung zum Römstedter Wald sei damit unterbrochen.

Der durch die Autobahn abgeschnittene Wald sei nur noch auf Umwegen zu erreichen und Römstedt verliere dadurch sein wichtigstes Erholungsgebiet. "Für Römstedt", so der Bürgermeister, "geht dadurch unwiderruflich ein großes Stück Lebensqualität verloren." Auch auf die Durchschneidung von Landwirtschaftsflächen wird kritisch hingewiesen.

Erschienen: 30.06.2006: AZ / 150 / Seite:6

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