Ratsmehrheit für die Vorzugstrasse

Von Peter HintzeWittingen. Pest oder Cholera? Leicht fiel es Wittingens Stadtvätern nicht, Stellung zum Bau der A39 und der Querspange B190n zu beziehen. 90 Minuten lang tauschte man Montagabend im Rat die Argumente aus, ehe frei abgestimmt wurde. Am Ende war die Mehrheit für den vom Verwaltungsausschuss erarbeiteten Vorschlag einer Stellungnahme im Zuge des Raumordnungsverfahrens dünn – aber vorhanden. 13 Ratsmitglieder votierten für das Ja zur Vorzugsvariante, zwölf waren dagegen.

Das Gros der Gegenstimmen kam aus dem Lager derjenigen, die den von der CDU-Fraktion im Stadtrat unterbreiteten Alternativ-Vorschlag bevorzugten. Der sah vor, die aus Süden kommende A39 am Ostrand der Teststrecke entlang über die B244 zwischen Suderwittingen und Ohrdorf zu führen und sie südlich von Waddekath über sachsen-anhaltinisches Territorium zu führen. Für den Fall, dass nichts aus dieser "Ost-Variante" werden sollte, hatten die Christdemokraten die Vorzugsvariante mit einigen Ergänzungen in Petto. Das erwies sich trotz eines vorangegangenen interfraktionellen Gespräches als nicht mehrheitsfähig. Mit 10 Ja- und 12 Nein-Stimmen sowie drei Enthaltungen wurde der Antrag des CDU-Fraktionsvorsitzenden Walter Schulze, Knesebeck, der mit der Windrichtung argumentierte, abgebügelt.

Auch SPD-Fraktionschef Hans-Herbert Kleist stützte Schulzes Vorstoß. Knesebeck werde in seiner Entwicklung gehemmt, Glüsingen sogar zerschnitten. "So war das nicht gewollt", sagte der Vorhoper.

Friedrich Lührs (FWG) sprach sich derweil für die Vorzugsvariante aus. Sie erschließe den Hafen. Und eine Abfahrt Suderwittingen/Ohrdorf könne für die Stadt Wittingen schlimmstenfalls einen großen Gewerbesteuerzahler jenseits der Landesgrenze bringen. Sein Fraktionskollege Friedrich O.Winkelmann stellte den A39-Bau gleich gänzlich in Frage. Der 100 Quadratkilometer große, nicht durchtrennte Raum vertrage eine Autobahn schlicht und ergreifend nicht. Die Stadtväter seien aufgefordert, jetzt den Verkehr im Raum Wittingen in Bahnen zu lenken – mit Ortsumgehungen. "Wir müssen mit breiter Mehrheit sagen: Wir wollen die Autobahn", warb Hans-Jürgen Schindler (SPD) für das Milliardenprojekt. Sonst wandere die Jugend auch weiterhin ab.

Und so blieb es bei dem Entwurf des Verwaltungsausschusses, der die östliche Trasse (bei Suderwittingen und Ohrdorf nach Waddekath) als Alternative aufzeigte. Für den Fall einer Realisierung der Vorzugstrasse beharren die Politiker auf Lärmgutachten sowie auf Flurbereinigungen, für welche die Grundeigentümer nicht zur Kasse gebeten werden sollen. Im Bereich Stackmannsmühle solle die Trasse nach Osten verlegt werden.

Eindeutige Worte in Sachen Umgehung: Zeitgleich mit dem Bau der A39 solle die südliche Umfahrung fertiggestellt werden. Entsprechende Anträge auf Aufnahme in den vordringlichen Bedarf sind zu stellen. Eine zweite Autobahnabfahrt an der L286 südlich der Stadt in der Nähe Glüsingens ist zu prüfen. Von dort könnte die Umgehung Richtung Osten geschaffen werden.

Keine Bedenken hatte die Ratsmehrheit gegen die Vorzugsvariante der Querspange (B190n1) bei Breitenhees.

Erschienen: 28.06.2006: IK / 148 / Seite:3

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare