Dat ole Rathus in Bämsen

Dat sind jüst 100 Johr her, dat de Magistrat dat ole Schoolhus in de Lindenstrat Nr. 1 för 20 000 Mark domals kofft hett von de Schoolgemeen. Nu ward dat wedder verkofft. Schon von 1619 an har de Bürgermeister een Zimmer baben in dat ole Schoolhus.

Brohmann schrifft in Book: „Die alten Schulräume sind zu prächtigen Diensträumen umgewandelt worden. Besonders ist die 3. Klasse, das jetzige Sitzungszimmer der Fleckenskollegien, zu erwähnen.“ 1912 hebbt se denn noch een Stockwark to rup sett’ för de Wöhnung von dan jeweiligen Bürgermeister. De nee’e School, Lindenstrat Nr. 12, wo nu dat Rathus rinkummt, stammt ok ut de Tied. Is richtig wat los west domals in Bämsen.

1936 as ik na de Mittelschool kööm, wär baben de Mittelschool und ünnen de Volksschool. Vör de Mittelschool möß man noch Schoolgeld betalen. As 1924 wählt wör, seeten in Rathus de Bürgermeister, een Magistratssekretär as Kämmerer und een Ratsdeener, also 3 Mann. 2 Hülbskräfte hebbt holpen, wenn Not an Mann wär. „Klingel Meyer“, oder wie to em ok seggt wör, „Karnickel Meyer“, wer för de Bekanntmachungen insett. Mit de Klingel röp he: „Bekanntmachung.“ Wenn eener frög: „Wat hest seggt“, kreeg he as Antwort: „Kumm mit na de nächste Eck, ik krieg blos vör 8 mal utrooprn betaalt.“

Ok har de Stadt eenen Polizeiwachtmeister („Hein Schütt“) und een Nachtwächter. Anfang de föfdiger Johrn wärn dat mit Bürgermeister 4 Mann und een Froo, mehr nich, und hüt? In de Tied na’n 2. Krieg, wo de veelen Flüchtlinge hier wärn, wär natürlich nich genoch Platz mehr in de School. Wie as Politiker harn in de sößdiger Johrn dat Probleem mit de „Wanderklassen“. Gäw Johrgänge, de harn öwerhaupt keen Klassenrum. Waldschool, Mittelpunktschool und Ba- racken mössen bout warn.

Je, und denn köm de „Anti-Baby-Pill.“ De Kinner wörn weniger, Gesetze, Beamte und Angestellte mehr. As nu Klasssen leer stünden, trock 1993 een Deel von dat Rathus-Personal in de School und wör to’n Ämterzentrum. Dat Sozialamt is nu rut, und so is ok Platz vör dan Bürgermeister dor. Een Tied wär ik je ok mal Rat, uns Sitzungen harn wie domals ok schon door in de School. Wenn man in dat Schoolhus ringeiht, steiht dor de Spruch von Goethe: „Nutze dien jungen Tage, lerne zeitig klüger sein.“

Wie hebbt dat as Schöölers anners öwersett: „Wer nicht in der Jugend küsst, bereut es, wenn er älter ist.“ As mien Grooddochter noch lütt wär, fröög se mik mal upp „Hochdütsch“, weil ik domals Samtgemeindebürgermeister wär: „Du Opa, sag mal, du fährst immer zum Rathaus, gibt es da Rätsel?“ Ik heff ehr seggt: „Natürlich giwt dat door Rätsel, mannigmal veel to veel Rätsel. Man kann door aber ok sik beraaden laten und eenen Rat halen, aber oft geiht man dort ,ratlos‘ wedder rut.

So, nu weet jü worüm dat Rathus ok „Rat(e)hus“ heeten kann.“ Een Spruch vör dat Rat-hus in Dannenbarg drippt dan Nagel upp’n Kopp: „Und wie Bürgers hebbt de Last dorvon und möt’ dat noch betaalen!“.

Von Carl Friedrich Bautsch

Carl Friedrich Bautsch ist gebürtiger Groß Hesebecker und schreibt als Heimat- dichter über Land und Leute der Region.

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