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Prozessauftakt gegen 32-Jährigen am Landgericht Lüneburg wegen schweren Raubes

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Von: Theresa Brand

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Landgericht Prozess Schwerer Raub
Ein 32-jähriger Marokkaner steht wegen schweren Raubes vor dem Lüneburger Landgericht. © Theresa Brand

Am Lüneburger Landgericht beginnt gestern der Prozess gegen einen 32-Jährigen. Er soll einen Taxifahrer in Bad Bevensen beraubt und mit Pfefferspray attackiert haben. Auch am Uelzener Bahnhof soll er Taten begangen haben.

Lüneburg/Uelzen – Schwerer Raub, Diebstahl und Körperverletzung in mehreren Fällen – dafür muss sich seit gestern ein 32-jähriger Marokkaner, der zum Zeitpunkt der Tat in Bad Bevensen gemeldet war, vor dem Landgericht Lüneburg verantworten.

Dem jungen Mann wird vorgeworfen, im Juli 2017 mit einem Bekannten einen Taxifahrer in Bad Bevensen beraubt und mit Pfefferspray verletzt zu haben. Zuvor sollen die beiden am Bahnhof in Uelzen einen weiteren Mann mit Pfefferspray attackiert und beraubt und einer Frau versucht haben, ihren Rucksack zu stehlen.

Mittäter konnte nicht ermittelt werden

„Ich war sehr betrunken, habe viele Drogen genommen und kann mich nicht genau erinnern“, lässt der Angeklagte über seine Dolmetscherin verlauten. Lediglich an den Vorfall im Taxi habe er noch Erinnerungen. Laut Anklageschrift sollen der 32-Jährige und sein Bekannter, dessen Identität bis heute nicht geklärt werden konnte, mit einem Taxi vom Uelzener Bahnhof nach Bad Bevensen gefahren sein. Der Fahrer verlangt das Geld im Voraus, sodass die beiden ihm zwei 20-Euroscheine geben. Kurz vor der angegebenen Adresse bitten die Täter den Fahrer anzuhalten.

Der Unbekannte auf der Rückbank sei weggelaufen heißt es weiter, der Angeklagte auf dem Beifahrersitz wollte ebenfalls aussteigen. „Ich habe gemerkt, dass mein Handy weg ist“, erklärt der Taxifahrer der Richterin. Da hält er den Mann fest, woraufhin dieser ihm das Handy entgegenwirft. Fast im gleichen Moment bekommt der Fahrer aber schon eine Ladung Pfefferspray in die Augen. Für ihn völlig überraschend: „Die Fahrt war absolut normal, da war nichts, was mich beunruhigt hätte“, sagt er. Später stellt er dann auch noch fest, dass die 40 Euro Fahrtkosten verschwunden sind.

Noch Monate später Angst

Anders klingt die Version aus Sicht des Beschuldigten. „Mir ging es nicht gut, ich bin im Taxi sofort eingeschlafen“, erzählt der 32-Jährige. Beim Aufwachen habe der Taxifahrer ihn am Gurt seiner Umhängetasche gepackt und gerufen: „Mein Handy!“ „Ich war in Panik“, erklärt der Angeklagte. Also habe er Pfefferspray benutzt und sei weggelaufen. Von einem Handy oder dem Geld wisse er nichts, vielleicht habe sein Bekannter es genommen. „Das mit dem Pfefferspray tut mir von Herzen leid“, beteuert er. Für den Taxifahrer nur ein kleiner Trost: Er habe noch monatelang Angst bekommen, wenn südländisch aussehende Männer in sein Taxi gestiegen seien. Und das, obwohl er keine rassistischen Vorurteile hege, er selbst stammt aus Russland.

Schon bevor die beiden Räuber in Uelzen in das Taxi steigen, sollen sie laut Staatsanwaltschaft eine Frau am Bahnhof in ein Gespräch verwickelt haben, um dabei ihren Rucksack zu stehlen. Der Versuch bleibt erfolglos, doch wenig später hört die Frau Hilferufe vom ZOB. Dort findet sie einen Mann auf einer Parkbank, der mit Pfefferspray im Gesicht getroffen wurde. Den alarmierten Polizeibeamten gegenüber gibt das Opfer an, dass ihm sein Handy und vermutlich auch seine Geldbörse geraubt wurden. Beide Anklagepunkte werden gestern von den damals hinzugerufenen Polizeibeamten bestätigt, heute werden weitere Zeugen zu den Vorfällen angehört.

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