Addenstorfer Bolko Müller kritisiert den Ton der Quarantäne-Anordnung

Protest gegen Amtssprache

Ausschnitt aus der Quarantäneanordnung
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Ausschnitt aus der Quarantäneanordnung für Bolko Müller aus Addenstorf. Der 86-Jährige wehrt sich gegen die aus seiner Sicht brutale Sprache.
  • Gerhard Sternitzke
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Weil er positiv auf Corona getestet wurde, darf Bolko Müller zwei Wochen lang das Haus nicht verlassen. Was ihn stört, ist die obrigkeitsstaatliche Sprache des Gesundheitsamts.

Addenstorf – Das ist ein Stück Sicherheit: Bolko Müller aus Addenstorf ist bereits zweimal geimpft. Damit sollte er vor einem schweren Corona-Verlauf geschützt sein. Umso größer zunächst die Überraschung, als er jetzt doch positiv auf Corona getestet wird, nachdem die Pflegekraft seiner Frau erkrankt ist. Was folgt, ist, wie immer in diesen Fällen, ein Schreiben des Gesundheitsamts. Müller muss für 14 Tage in Quarantäne. Ein Los, das er mit aktuell 308 Personen im Kreisgebiet teilt. Was ihn ärgert, ist der Ton der Anordnung.

Müller fühlt sich nicht schlecht. Vielleicht auch dank der Impfung hat er keinerlei Symptome. Und dass er das Haus jetzt zwei Wochen lang nicht verlassen darf, ist für den 86-Jährigen auch keine wirkliche Einschränkung. Weil seine Frau bettlägerig ist, leistet er ihr, so oft es geht, Gesellschaft. Daneben hat er auch einige Hausarbeit zu erledigen. Aber wie die Behörde mit ihm – und allen anderen von der Quarantäne Betroffenen – umgeht, das lässt dem früheren Lehrer keine Ruhe.

Ich untersage Ihnen... Ich unterwerfe Sie... zwangsweise Unterbringung...“

Gesundheitsamt

„Ich untersage Ihnen...“, heißt es gleich zweimal in der Anordnung. Mit „Ich unterwerfe Sie...“ geht es weiter. Und es folgt: „Sie sind verpflichtet...“ Schließlich folgen „zwangsweise Unterbringung...“ und der Hinweis „...mit einer Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit einer Geldstrafe bestraft.“

„Das hat mir zwei Nächte den Schlaf geraubt“, berichtet Müller. Dann hat er sich an den Computer gesetzt und ein Protestschreiben an die Kreisverwaltung verfasst. „Ich protestiere gegen diesen feudalen Absolutismus“, sagt der 86-Jährige bestimmt. Als unbescholtener Bürger, der überhaupt nicht vor habe, die Quarantäne-Regeln zu übertreten, werde er mit einer brutalen Sprache konfrontiert und zudem mit Gefängnis bedroht.

Wie viel obrigkeitsstaatliche Sprache ist nötig, um positiv getestete Bürger zur Einhaltug der Quarantäne zu bewegen? Das wollte die AZ von der Uelzener Kreisverwaltung wissen.

 Dass dieses teilweise als ‘obrigkeitsstaatlich’ empfunden wird, ist bedauerlich, lässt sich aber nicht immer vermeiden.

Dr. Julia Baumgarten, Ordnungs-Dezernentin

„Das Gesundheitsamt hat die Aufgabe, die durch ihr Handeln im Rahmen des Vollzugs des Infektionsschutzgesetzes Betroffenen unter anderem über die jeweils geltende Rechtslage und die Folgen eines etwaigen Zuwiderhandelns aufzuklären. Dabei kommt es aus Gründen der Rechtsklarheit auf die genaue und eindeutige Wiedergabe der rechtlichen Rahmenbedingungen an“, teilt Ordnungs-Dezernentin Dr. Julia Baumgarten mit. „Dass dieses teilweise als ‘obrigkeitsstaatlich’ empfunden wird, ist bedauerlich, lässt sich aber nicht immer vermeiden.“

Dennoch sei der Landkreis Uelzen und in diesem Fall das Gesundheitsamt bestrebt, Bürgern „mit gebührendem Anstand und Respekt“ zu begegnen und in angemessenem Rahmen auch mit bürgerfreundlicher Sprache zu kontaktieren.

Bislang hat das Gesundheitsamt übrigens keinen einzigen Widerspruch gegen eine Quarantäneanordnung erhalten. In drei Fällen wurden Übertretungen der Anordnung aktenkundig. Dabei wurden laut Julia Baumgarten Geldbußen von 300 bis 1000 Euro festgesetzt. Das Infektionsschutzgesetz sieht jedoch auch die Möglichkeit einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren vor.

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