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Projektbeirat Alpha-E wirft DB-Netz AG vor, nur noch eine Neubaustrecke zu planen

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Von: Lars Lohmann

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Ein Güterzug und ein weiterer Zug begegnen sich auf der Strecke Hamburg-Uelzen
Der Projektbeirat Alpha-E wirft der DB-Netz AG vor, nicht mehr am Ausbau der Bestandsstrecke interessiert zu sein, sondern Neubaupläne zu verfolgen. © Archivfoto: Bräutigam

Verabschiedet sich die DB-Netz AG von Alpha-E und damit vom Ausbau der Bestandsstrecke Hamburg-Hannover? Das befürchtet der Projektbeirat Alpha-E nach einer Online-Veranstaltung des Unternehmens.

Dort wurden am Mittwoch drei Grobkorridore für eine mögliche Trassenführung präsentiert, für die jetzt genauere Planungen erfolgen sollen.

Dabei handelt es sich neben der Bestandsstrecke mit Ortsumfahrungen um eine Neubaustrecke entlang der A 7 sowie eine Strecke, die zunächst entlang der A 7 verläuft und dann ab Soltau entlang der B 3 in Richtung Celle geführt wird. Bis zum Ende des Jahres sollen die Ergebnisse der Vorplanungen für alle drei Bereiche vorliegen. Dann werden sie anhand eines Kriterienkatalogs bewertet, kündigte Projektleiter Matthias Hudaff an.

„Die DB Netz AG verlässt mit ihren aktuellen Planungen für die Strecke Hamburg-Hannover komplett die Grundlage des Alpha-E“, heißt es hierzu vonseiten des Projektbeirats in einer Pressemitteilung. Die Planungen für den Bestandsstreckenausbau, wie er auch im Bundesverkehrswegeplan festgeschrieben sei, seien von der DB-Netz AG schon vor längerer Zeit unfertig abgebrochen worden. „Wir als Projektbeirat sind sehr besorgt über diese Entwicklung, weil wir wissen, dass die jetzt erkennbare Neubauplanung nicht dem Willen der Region entspricht und die Chancen für einen Ausbau im weitgehenden Konsens damit verworfen werden“, erklären die Sprecher des Projektbeirates, Dr. Peter Dörsam und Joachim Partzsch. Eine Abkehr vom Ergebnis des Dialogforums Schiene-Nord zerstöre das Vertrauen in die politischen Zusagen zur Umsetzung des Alpha-E. „Es droht massive Politikverdrossenheit“, sagen sie.

Hudaff betonte hingegen bei der Online-Sitzung am Mittwoch, dass die Entscheidung zur Streckenführung bei der Politik liege. „Es gibt keine Vorfestlegung. Wir stellen die Trassen dem Kriterienkatalog gegenüber. Letztendlich wird in der Politik entschieden.“ Für die DB-Netz gehe es darum, dass die Zielsetzungen erfüllt werden und man die Varianten rein sachlich betrachtet. „Wir stellen niemanden vor vollendete Tatsachen.“

Der Projektbeirat sieht hingegen eine Vorfestlegung. „Statt des Ausbaus der Bestandsstrecke legt die DB Netz AG sich jetzt auf eine Neubaustecke, die von Hamburg kommend zunächst etwa bis zur Höhe Soltau nach Süden verläuft und dann entweder nach Celle abzweigt oder weiter in einer gewissen Nähe zur Autobahn A 7 verläuft, fest“, heißt es. In der Konsequenz werde es keinen besseren Lärmschutz an der Bestandsstrecke und gleichzeitig aber mehr Güterverkehr geben. Außerdem spreche vieles dafür, dass die Neubaustrecke für den ICE-Verkehr mit 300 Stundenkilometern ausgelegt werde. Dies bedeute weniger Personenfernverkehr auf der Bestandsstrecke und nur noch ein Restangebot.

Dass eine eventuelle Neubaustrecke sich so auf die Bestandsstrecke auswirkt, verneinte Hudaff. Die Anzahl der Züge bleibe gleich, es gebe aber auch mehr Kapazitäten, um den Verkehrsbedarf für die Strecke Uelzen-Hamburg zu decken. „Das könnte man dann sicherlich angehen“, so Hudaff. Außerdem würden alle Varianten mit Tempo 250 betrachtet.

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