Polizeigewalt?

Carl Friedrich Bautsch

Schade, dat dat in Bämsen ümmer weniger Fachwarkhüser giwt. De letzte grode Brand 1811, also vör 200 Johr, hett veel zerstört. Vörm Krieg aber gäw dat noch ganze Reeg Fachwarkhüser mehr. Modernisierung und nee’e Greschäfte hebbt dat Bild ändert.

Ümmer aber kann man ok hüt noch einige schmucke Fachwarkhüser bewundern.

Dat wär am 9 April 1970 as eens von de schönen Fachwarkhüser in Bämsen affbennen dä. Een Fachwarkhus in de Lümborger Straat, wo fröher de Landhandelsfirma Reimer in wär. Wiet in de ganzen Heide wär Reimer bekannt, denn se wärn woll dat eerste Mischfudderfabrik bi uns. Vör allen stell’n se Höhnerfudder und Kükenfudder her. „Lefu“ wär dat Markenteeken, öwersett heet dat „Legefutter.“ He sall mal seggt hem: „Wer nix mischt, ist nischt.“

Wat dor all’ns in wär, weet ick nich. De Höhner, de dor mit fuddert wörm, so heet dat, leggen veel mehr Eier. Eenige meenen ook: „All’s Höhnergloben wo de Hahn nix von weet.“

Na Reimer köm de Landhändler Ziehm in dütt Huus. In de Bürorüm, de he verpacht har, wär de Diskothek, „Top Ten,“ oder „Forelle.“ Dor is Füür, domals an 9. April 1970 morgens so üm 4 losgahn.

Veel to retten wär nix mehr. Mit schworen Atemschutz können de Füürwehrlüüd, Gott sei Dank, de Papiere und Ünnerlagen, de Ziehm von sien Flucht ut Danzig mitbrocht har, retten. Sünne Dokumente kann man je nie ersetten. He het sik bi de Füürwehr bedankt und meen, „Geld lett sik ersetten, aber Dokumente und de Erinnerungen an de Heimat nich.“

Dor neben dat Fachwarkhus Reimer, stünd dat ganz oole Buurnhus von Hein Ohland. He wär domals noch Buur mitten in de Stadt Bämsen. Up’n Hoff har he noch eene ole Pump mit Schwengel. Dat Huus Ohland könn de Füürwehr retten. Ick wär domals Unterkreisbrandmeister von Bämsen und stünd mit dan nee’n Polizeichef an de Straat up de anner Siet. Wie beide keeken dat Füür an. De nee’e Polizeichef Porip, de Volksmund sä Cheriff to em, meen: „Schade das das dieses schöne Fachwerk nu nicht mehr is. Wäre doch besser gewesen, wenn dies alte Gebäude da nebenan abgebrannt wär.“

Kuum har he dat seggt, do sä Hein Ohland, de achter em stünd, de dütt Huus je gehören dä, und dan’ he je noch nich kennen dä: „Wat seggst du door, mien Huus har leewer affbrennen söll’t?“ He nöm een lüttgen Anloop und perr dan „Cheriff“ fix in’ Moors.

Porip woll jüst losbölken, do heff ick em verkloort, dat dat Huus dor Hein Ohland sien Huus wär. Do hett he nix mehr seggt, sik entschuldigt und all de bi uns rümm stahn dän, hefft grient. Wunnert heff ick mick nur, dat Hein Ohland, he wär all 72 Johr, so flink sien Been hoch kräg. Dat mök woll, dat he een Turner in „MTV Bämsen“ wär.

So kann man ungestraft eenen Polizisten in’ Moors perr’n.

Dat Huus, noch mit Dääl und Deep-Stall för Keuh, is löter affretten worn. Eegentlich schade, denn sün richtiget Burnhuus, mitt’n in de Stadt, wo giwt dat sowat noch.

Dor har man denn dan Spruch rinschnitzen mößt, de ik mal an Huusbalken läst heff: AN GUTEN ALTEN IN TRUE HALTEN, AM SCHÖNEN NEUEN SICH ERFREUEN.“

Carl Friedrich Bautsch ist gebürtiger Groß Hesebecker und schreibt als Heimatdichter über Land und Leute der hiesigen Region.

Die AZ-Kolumne „Dütt un datt up platt“ finden Sie auch im Internet unter az- online.de/ kolumnen.

Von Carl Friedrich Bautsch

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