Ermittlungen zu Brandstiftung bei Brockhöfe

Eine Tat radikaler Tierschützer? Aktivist: Wolfsschützer machen so was nicht

Ein Jägerstand brennt
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Ein Jägerstand brennt bei Brockhöfe. Die Polizei hat radikale Tierschützer im Verdacht. Wolfsaktivist Berge betont: „Ich bin alles andere als ein Feuerteufel.“
  • Gerhard Sternitzke
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Nachdem eine Wölfin aus dem Ebstorfer Rudel abgeschossen wurde, wird der Ton rauher. Die Polizei vermutet radikale Tierschüter hinter dem Brand von drei Jägerständen bei Brockhöfe. Es gibt Entrüstung und Verständnis für die Aktion eines Landwirts, der einer Wolfsberaterin einen Kalbskadaver in die Einfahrt warf.

Brockhöfe – Seit dem Bekanntwerden von zwei Wolfsabschussgenehmigungen des Landkreises Uelzen und dem erfolgten Abschuss einer Fähe aus dem Ebstorfer Rudel Ende Februar eskaliert der Streit um dem Umgang mit dem Wolf. Am Abend des 8. März brennen drei Jägerstände in der Gemarkung Brockhöfe (AZ berichtete). Am 16. März wirft ein Holdenstedter Landwirt Wolfsberaterin Katja Hildebrandt-Mertins in Bahnhof Brockhöfe ein gerissenes Kalb in die Einfahrt. Derweil laufen die Ermittlungen zu den Bränden, die von einem Lokführer gemeldet wurden. Die Polizei geht von Brandstiftung aus.

„Wir haben kein Selbstbezichtigungsschreiben, dass ein Täter sich zu der Brandstiftung bekennt“, berichtet Polizeisprecher Kai Richter auf AZ-Nachfrage. Bislang gebe es keine neuen Erkenntnisse. Weil die Ermittler von einer politisch motivierten Tat radikaler Tierschützer ausgehen, hat der polizeiliche Staatsschutz den Fall übernommen – wie auch die Ermittlungen zu dem vom Weidetierhalter abgeworfenen Kalbskadaver. Es handele sich zunächst um eine Hypothese, betont Richter.

 Ich bin alles andere als ein Feuerteufel. Ich lehne so was total ab.

Christian Berge, Wolfsaktivist

Zu der Attacke auf die Hochsitze äußert sich auch einer der bekanntesten Pro-Wolf-Aktivisten aus der Region. „Keine Sorge..., ich bin da oben noch nicht gewesen“, betont Wolfsschützer Christian Berge bei Facebook. „Ich finde es auch überhaupt nicht witzig, wenn Leute mit Feuer spielen. Ich bin alles andere als ein Feuerteufel. Ich lehne so was total ab.“

Bereits am 9. März schreibt er: „Bei Wolfsgegnern kann ich mir das nicht vorstellen“, betont Berge. „Wir bauen Zäune für Weidetierhalter, klären auf, führen Gespräche mit Weidetierhaltern und Jägern.“

2020 hatte Berge Landrat Dr. Heiko Blume und den beauftragten Jägern wegen der damaligen Abschussgenehmigung gedroht. Die zugrundliegende Änderung des Bundesnaturschutzgesetzes sei rechtswidrig. „Jeder, der einen Wolf trotzdem tötet, wird angezeigt und mit einem Strafverfahren überzogen – mit allen Konsequenzen“, so der frühere Rechtsanwalt aus Schwarmstedt.

Getötete Wölfin: Noch kein Ergebnis der DNA-Untersuchung

Derweil liegt das Ergebnis der DNA-Untersuchung für die geschossene Wölfin immer noch nicht vor. „Der Kadaver befindet sich derzeit beim Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin zur Untersuchung“, teilt Landkreis-Sprecher Martin Theine auf Nachfrage mit. „Bis zum Abschluss der Untersuchungen können keine Details genannt werden.“

Entrüstung nach Kadaver-Aktion

„Dieser Übergriff auf eine ehrenamtlich tätige Wolfsberaterin ist inakzeptabel“, erklärt der Grünen-Kreisvorsitzende Heiner Scholing.

Bahnhof Brockhöfe/Landkreis – Die Grünen verurteilen die Protestaktion von Landwirt Dieter Schwutke, der am Dienstag einen gerissenen Kalbskadaver bei Wolfsberaterin Katja Hildebrandt-Mertins in Bahnhof Brockhöfe abgelegt hat. „Dieser Übergriff auf eine ehrenamtlich tätige Wolfsberaterin ist inakzeptabel“, erklärt der Kreisvorsitzende Heiner Scholing. „Der Umgang mit dem Wolf ist eine enorme Herausforderung. Dabei darf der gegenseitige Respekt vor allen Beteiligten zu keinem Moment verloren gehen.“ Kreistagsfraktionsvorsitzender Markus Jordan ergänzt: „Wenn aktuelle Betroffenheit in Gewalt ausartet, verlieren wir ein demokratisches Miteinander. Unser menschliches Miteinander ist aber unsere größte Stärke.“

Umweltminister Lies heizt die Konflikte weiter an, anstatt tragbare Lösungen für ein Nebeneinander von Weidehaltung und Wolf zu finden.

Miriam Staudte, Grünen-Landtagsabgeordnete

Die Landtagsabgeordnete Miriam Staudte sieht eine Mitverantwortung von Umweltminister Olaf Lies (SPD) für die Eskalationen in der Wolfsdebatte: „Die Wolfsberater bekommen immer öfter den Frust über das mangelhafte Wolfsmanagement des Landes zu spüren. Umweltminister Lies heizt die Konflikte weiter an, anstatt tragbare Lösungen für ein Nebeneinander von Weidehaltung und Wolf zu finden.“ Wo es zu Wolfsübergriffen komme, müsse das Land die Betroffenen gezielt unterstützen. Ein Herdenschutzteam sollte als schnelle Einsatztruppe dabei helfen, Lücken im Herdenschutz zu schließen. „Wölfe müssen lernen, dass Weidtiere als Beute nicht zur Verfügung stehen“, meint die Lüneburger Grünen-Politikerin.

BI für wolfsfreie Dörfer äußert Verständnis

Günther Winkelmann, Sprecher der Bürgerinitiative für wolfsfreie Dörfer, äußert Verständnis für den Kadaver-Protest.

Die Bürgerinitiative für wolfsfreie Dörfer mit dem Vorsitzenden Günther Winkelmann äußert dagegen Verständnis. „Die Handlung des Weidetierhalters Dieter Schwutke basiert mit hoher Wahrscheinlichkeit auf schlechten Erfahrungen, die in der Vergangenheit von vielen durch Wolfsrisse geschädigten Tierhaltern mit der besagten Wolfsberaterin gemacht wurden“, schreibt die BI. So habe sie sich öffentlich einseitig in der AZ zum Schutz des Wolfs geäußert. „Wo bleibt da die erforderliche Neutralität einer Person in solch einem Ehrenamt?“

Die Betroffene hatte selbst in einem Leserbrief an die AZ im November auf die angespannte Stimmung hingewiesen: „Warum muss ich mich als ehrenamtliche Wolfsberaterin rechtfertigen, verleumden, beschimpfen und beleidigen lassen, wenn ich meiner Tätigkeit nachgehe?“ stk

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