Kontaktlose Politik im Bevenser Kurhaus

Videotechnik mit Macken

AUsschussvorsitzender Léonard Hyfing im Kurhaus
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Ratlos hebt Ausschussvorsitzender Léonard Hyfing die Hände. Immer wieder kommt es in der Hybridsitzung mit Livestream im Bevenser Kurhaus zu Rückkopplungsefffekten.
  • Gerhard Sternitzke
    vonGerhard Sternitzke
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Mit Videotechnik versucht die Samtgemeinde Bevensen-Ebstorf, das Ansteckungsrisiko bei politischen Sitzungen zu senken. Bei der Premiere gab es technische Schwierigkeiten.

Bad Bevensen – Es ist ein besonderer Moment in einer außergewöhnlichen Zeit: Die Samtgemeinde Bevensen-Ebstorf startet am Mittwochnachmittag ihre erste per Lifestream übertragene Sitzung. Nur vier Mitglieder des Ausschusses für öffentliche Angelegenheiten sind vor Ort im Kurhaus, sechs Kommunalpolitiker sind per Videokonferenztechnik zugeschaltet. Jeder Bürger kann die politische Beratung auf dem Videokanal Youtube im Internet verfolgen, ohne sich einem Infektionsrisiko auszusetzen oder selbst andere zu gefährden.

Wir sind dabei, diese Technik einzuführen. Dass dabei Fehler auftreten, kann passieren.

Martin Feller, Bürgermeister

Zunächst tut die digitale Technik, was sie soll. Die Politiker sind am heimischen Laptop gut zu verstehen, und im Livestream wird nutzerfreundlich angezeigt, wer gerade redet. Doch dann wird die Geduld der Zuhörer, des Ausschussvorsitzenden Léonard Hyfing (FDP) und der Ausschussmitglieder auf eine harte Probe gestellt. Auf der Tagesordnung steht die Lage in den beiden Bädern der Samtgemeinde. Doch dann macht sich die Technik selbstständig. Es kommt zum Abbrüchen der Übertragung und zu Rückkopplungen. Hektische Aktivitäten des technischen Mitarbeiters.

„Wir versuchen, die technischen Probleme zu lösen“, beruhigt Ausschussvorsitzender Hyfing. „Wir machen mal einen Versuch. Bin ich zu hören?“ Ja, er ist zu hören, sogar in Endlosschleife, als würden sich seine Worte immer wieder in den Ecken des spärlich besetzten Bevenser Kurhaussaals brechen. Eine Sitzungsunterbrechung wird schließlich eingelegt. Fehlersuche. Samtgemeindebürgermeister Martin Feller schaltet sich ein. Die zugeschalteten Politiker sollen Youtube abschalten.

Ausschussvorsitzender in der Dauerschleife

„Sind wir jetzt zu hören an den Bildschirmen“, fragt er einen Moment später. „Ach je, das geht schon wieder los. Das gibt’s doch nicht!“ Es wird weiter fieberhaft an dem Problem gearbeitet. „Bin ich so zu hören?“, fragt Hyffing erneut und verfängt sich augenblicklich in der Dauerschleife. Der Ausschussvorsitzende hebt ratlos die Hände.

Dann der erlösende Moment: Es geht weiter. Hans- Joachim Bütow meldet sich zum neuen Bibliothekskonzept. Der SPD-Ratsherr erscheint auf dem Bildschirm und spricht, allerdings ohne Ton. Der Hinweis, den Knopf für das Mikrofon zu drücken, führt nicht zum Erfolg. Schließlich wird beschlossen, den Beitrag per Telefon zu ermitteln und ins Protokoll aufzunehmen. Das Bibliothekskonzept wird jedenfalls einstimmig empfohlen.

Martin Feller, Samtgemeindebürgermeister

Stadtratssitzungen werden bereits seit Längerem per Livestream übertragen. Städtische Ausschüsse tagen bereits seit Januar in Hybridform mit zugeschalteten Mitgliedern. „Es ist ein Fehler aufgetaucht, den wir noch nicht kannten“, berichtet Samtgemeindebürgermeister Martin Feller gestern Auf AZ-Nachfrage. Zudem haben nach seiner Auskunft zugeschaltete Kommunalpolitiker für Rückkopplungen gesorgt, weil sie zusätzlich zum Konferenzprogramm den Livestream eingeschaltet hatten.

„Da muss man so entspannt bleiben, dass man den Fehler sucht und die Sitzung fortsetzt“, betont Feller. „Wir sind dabei, diese Technik einzuführen. Dass dabei Fehler auftreten, kann passieren.“ Anlässlich der hohen Infektionszahlen sei es auf jeden Fall sinnvoll, die moderne Technik zu nutzen. Andere Kommunen zeigen großes Interesse an den Bevenser Erfahrungen.

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