Wochenrevue

Politik, wie hast Du’s mit der Kultur?

Kai Hasse

Durchatmen, sammeln und sortieren, forderte der Kollege an dieser Stelle vor genau einer Woche. Zumindest die vergangenen Tage haben dafür keine Chance gelassen.

Statt durchzuatmen, sind Kulturschaffende, Lehrerkollegien und Eltern atemlos vor Zorn. Und die Fraktionen machen in der Öffentlichkeit keinen allzu sortierten Eindruck, die versuchen noch, sich eine Position zu dem harten Sparkurs, den der Uelzener Kämmerer Jürgen Markwardt vorgeschlagen hat, zusammenzufummeln. Die Fraktionen halten dicht. Und das mit Berechnung, denn die ersten, die schon am ersten Tag nach der explosiven Nachricht den Mut zu einer inhaltlichen und öffentlichen Position gefunden haben, holen sich jetzt einen Rüffel von ihren Wählern. Karsten Jäkel zum Beispiel, der die Situation ganz mit wirtschaftlichen Zwängen gesehen hat und „keine Denkverbote“ forderte – auch, was die Schule Veerßen betrifft. Das war mal ein ehrlicher Kommentar. Belohnt wird sowas nicht. Mancher Veerßener ist sauer. Nun wird die kommende Woche zeigen, wer wem die Augen aushackt. Irgendwo muss gespart werden. Und natürlich hofft jeder, dass der Kelch an ihm vorbei geht – zum Nebenmann. Das schwächste Glied in der Kette scheint die Kultur zu sein. Ja, Besserverdienende will die Stadt. Ja, die sind auch öfters mal an klassischer Kultur interessiert – ob als Statussymbol oder als echtes, angeeignetes Interesse. Nein, Kultur kann man deshalb nicht als Schnösel-Spielerei von Kaschmir-Schal-Trägern verbrämen. Aber kein Kulturgenießer wird seine Leidenschaft über das Wohl von Schulkindern stellen wollen. Und bisher hat das auch niemand getan. Solche Gretchenfragen kommen also auf die Politiker zu. Und die werden die kommende Woche nicht mehr dicht halten dürfen. Wer sich als gewählter Volksvertreter dann mehrmals zu Sitzungen getroffen hat, muss sich eine Meinung gebildet haben und Farbe bekennen. Und dann wird es Tränen geben, egal wie es kommt. Ein Dorn im Auge der Entscheider ist dabei das Alte Rathaus. Das wird saniert, kostet die Stadt Millionen, und sieht dabei bannig hübsch aus. Das Geldgrab steht kaum 200 Meter vom neuen Rathaus, wo die Politiker die nächste Woche klar machen müssen, wo sie denn das Messer ansetzen. Und damit da keine Missverständnisse aufkommen: Es geht nicht darum, ob irgendwo auf der Liste gespart wird. Die Giftliste sieht eigentlich vor, dass umfangreich gespart wird: ein oder zwei halbherzige Streichungen werden nicht reichen, um in einen Zukunftsvertrag zu kommen. Wer Glück hat, für den findet sich eine andere Lösung. Nur vielleicht also geht der Kelch an den Grundschulen Molzen und Veerßen vorbei. Heute wird es nochmals laut in der Uelzener Innenstadt. Symbolhafterweise treten dabei Musikgruppen auf, und parallel kämpfen Demonstranten für den Erhalt der Veerßer Schule. Und Weggefährten der Molzener Grundschule sind durchaus willkommen. Das wäre ein schöner Zug. Vielleicht aber auch der ohne Erfolg.

Von Kai Hasse

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