Pflegereform: Das ändert sich in den nächsten Jahren

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Der erste Schritt der Pflegereform ist geschafft: Ab nächstem Jahr steigen die Pflegegelder um vier Prozent.

Das Bundeskabinett hat die erste Stufe der Pflegereform abgesegnet. Schon ab dem 1. Januar 2015 stehen die ersten Veränderungen in der Altenpflege an: Die Leistungen für die Pflegebedürftigen werden erhöht und Familien, die Angehörige zu Hause pflegen, bekommen mehr Unterstützung.

Im Zentrum der neuen Leistungen steht die Erhöhung der Pflegesätze. Dabei werden zunächst die Pflegegelder für alle pflegebedürftigen Menschen um bis zu vier Prozent aufgestockt. Ebenso werden die sogenannten Pflegesachleistungen erhöht, also zum Beispiel die Betreuung durch einen ambulanten Pflegedienst. Brauchen die Senioren Pflegehilfsmittel wie einen Rollstuhl oder Windeln, steht ihnen ab 2015 auch hierfür mehr Geld zur Verfügung. Um wie viel es sich genau bei jeder einzelnen Pflegestufe und Leistung handelt, lässt sich beim Bundesministerium für Gesundheit nachlesen.

Durch die Pflegereform sollen vor allem Familien, die ihre Angehörigen zu Hause pflegen, mehr Unterstützung erhalten. Mehr als zwei Drittel aller Pflegebedürftigen werden derzeit zu Hause gepflegt – meist durch Angehörige oder Pflegekräfte aus dem Ausland. Die Reform fördert die Betreuung in den eigenen vier Wänden und erhöht die Leistungen für die häusliche Pflege um rund 1,4 Milliarden Euro. So soll möglichst vielen Senioren der Wunsch erfüllt werden, zu Hause alt werden zu dürfen.

Zudem sollen deutlich mehr Betreuungskräfte in Pflegeheimen angestellt werden: Bisher betreuen rund 24.000 Altenpfleger die Senioren in Heimen. In den nächsten Jahren sollen 45.000 Pfleger dort arbeiten. Teil der Pflegereform ist auch ein Versorgungsfonds, in den jährlich 1,2 Milliarden Euro für die geburtenstarken Jahrgänge fließen sollen. Die Regierung rechnet damit, dass diese ab dem Jahr 2030 pflegebedürftig werden könnten, und will damit einem möglichen Pflegenotstand entgegenwirken.

Um die Pflegereform zu finanzieren, wird ab dem kommenden Jahr der Beitragssatz zur Pflegeversicherungum zunächst 0,3 Prozentpunkte steigen. So kommen etwa 3,6 Milliarden Euro mehr in die Pflegekasse.

Stufe zwei der Pflegereform

Die zweite Stufe des Reformentwurfs soll bis zum Ende dieser Wahlperiode im Jahr 2017 umgesetzt werden. Dadurch will die Regierung regeln, dass mehr Menschen Geld aus der Pflegeversicherung bekommen, vor allem Demenzkranke.

Senioren, die dauerhaft Hilfe im Alltag brauchen, müssen sich in sogenannte Pflegestufen einordnen lassen. Dazu kommt bisher ein Angestellter des Medizinischen Dienstes der Spitzenverbände der Krankenkassen (MDS) ins Haus und macht sich ein Bild von dem Patienten: Kann dieser sich noch alleine anziehen? Braucht er Hilfe beim Toilettengang? Muss er gefüttert werden? Aufgrund dieser Beobachtungen ordnet der Gutachter bisher den Pflegebedürftigen in eine der Pflegestufen von null bis drei ein. Ausschlaggebend ist die Zeit, die ein Pfleger für die notwendige Unterstützung bräuchte.

Die Pflegereform sieht vor, die umstrittene „Minuten-Pflege“ bis 2017 abzuschaffen. Dafür soll die Zahl der Pflegestufen von drei auf fünferweitert werden. Dann soll die individuelle Situation von Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen besser berücksichtigt werden. Ausschlaggebend dafür, ob jemand pflegebedürftig ist, wird der Grad der Selbstständigkeit sein. Geistige Einschränkungen sollen genauso berücksichtigt werden wie körperliche Gebrechen. Das ist vor allem für Demenzkranke wichtig. Sie können sich oft noch selbst waschen oder kochen, brauchen dabei aber trotzdem immer eine ständige Betreuungsperson um sich.

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