Dr. Martin Vietor und Dr. Katharina Kirsche berichten von ihren Erfahrungen im Bevenser Impfzentrum

An der Impf-Front: „Nicht das Ende der Pandemie, deshalb müssen wir ranklotzen“

Corona-Impfung in der Hausarztpraxis.
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Arzt Dr. Marc Benner impft Marion Mohr aus Bad Bevensen in der Gemeinschaftspraxis von Dr. Katharina Kirsche.
  • Gerhard Sternitzke
    VonGerhard Sternitzke
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Tausende Menschen sind bereits im Bevenser Impfzentrum geimpft worden. Allerdings erscheinen viele Patienten nicht zu ihren Terminen. Andere beschimpfen die Sprechstundenhilfen.

Bad Bevensen – Wo sonst Kurgäste sich die Zeit vertreiben, wird derzeit die Corona-Pandemie bekämpft: Seit April besteht das Impfzentrum im Bevenser Wandelgang. Im Zwei-Minuten-Takt erhalten die Patienten hier an drei Tagen in der Woche den schützenden Pieks. Die Praxis von Dr. Martin Vietor hat hier bereits über 2500 Menschen geimpft, bei der Praxis von Dr. Katharina Kirsche sind es fast 1600. „Das ist noch nicht das Ende der Pandemie, deshalb müssen wir ranklotzen“, sagt Vietor. Es gibt aber auch massive Probleme.

Dr. Martin Vietor betreibt das Impfzentrum in Bad Bevensen zusammen mit seiner Kollegin Dr. Katharina Kirsche.

40, 50 Prozent der Patienten erscheinen nicht zum Impftermin

„Das liegt an den Patienten, nicht am Impfstoff“, sagt der Hausarzt. Bis zu 40, 50 Prozent der Patienten erscheinen nach seinen Angaben nicht zum Impftermin, weil sie im Impfzentrum des Landkreises oder bei anderen Ärzten schneller zum Zuge gekommen sind – aber ohne den Termin in Bad Bevensen abzusagen. Viele weigern sich auch, sich mit Astrazeneca impfen zu lassen.

Die Sprechstundenhilfen versuchen dann verzweifelt, Patienten von der Warteliste zu erreichen, um den geöffneten Impfstoff nicht verfallen zu lassen. „Die Impfdosen von Biontech sind, wenn sie aufgezogen sind, nur sechs Stunden haltbar“, erklärt Vietor. „Dann müssen sie vernichtet werden.“ 2000 Menschen stehen bei ihm noch auf der Warteliste. Durch die Freigabe der Impfung für alle steigt der Druck auf die Arztpraxen weiter.

Sprechstundenhilfen: „Die stillen Helden der Pandemie“

Viele Patienten können nicht verstehen, warum sie noch nicht dran sind oder warum sie mit Astrazeneca geimpft werden. Vietor berichtet von vielen rücksichtslosen Patienten. Sprechstundenhilfen werden als Schlampe und schlimmer beschimpft. „Die arbeiten seit März durch. Die gehen auf dem Zahnfleisch“, berichtet der Hausarzt. „Das sind die stillen Helden der Pandemie.“ Der Aufwand für die Praxis ist erheblich. Vier Mitarbeiterinnen sind an den Impftagen zum Wandelgang abgestellt, eine Mitarbeiterin wird nur dort eingesetzt.

Dr. Vietor impft nur noch Astra Zeneca

Vietor hat für sich die Konsequenz gezogen: „Wir werden nur noch Astra impfen, damit die Leute von vornherein wissen, womit sie geimpft werden“, sagt Vietor. „Weil es darum geht, so viele Impfungen wie möglich durchzuführen.“ Der Impfstoff sei ab 18 zugelassen. Patienten mit erhöhtem Risiko für Trombosen werden dann zu anderen Ärzten geschickt.

Dr. Katharina Kirsche ist am Impfzentrum im Bevenser Wandelgang beteiligt.

Dr. Katharina Kirsche will wegen der Haltbarkeit nur noch Astrazeneca und Johnson & Johnson impfen, nur noch Zweitimpfungen laufen mit Biontech. Johnson & Johnson wird zunächst nur eigenen Patienten verabreicht, weil der Impfstoff knapp ist. Die Hausärztin hat persönlich an Wochenenden die Warteliste abtelefoniert, um freigewordene Impftermine zu besetzen. Wegen der Verunsicherung über Astrazeneca sei der Beratungsbedarf sehr hoch.

Jetzt ist es routinierter. Die Leute sind nicht mehr so aggressiv, weil immer mehr geimpft sind.

Dr. Katharina Kirsche, Hausärztin

Auch sie berichtet von Beschimpfungen gegenüber ihren Sprechstundenhilfen. „Verunsicherung und Impfneid – das ist eine ganz schlechte Kombination“, sagt Katharina Kirsche. „Die Mitarbeiter sind auch am Anschlag. Jetzt ist es routinierter. Die Leute sind nicht mehr so aggressiv, weil immer mehr geimpft sind.“

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