Optimismus bei A39-Gegnern

Von Holger BodenWittingen. Eckehard Niemann hatte Optimismus im Gepäck: "Wir haben einige Argumente, mit denen wir die Autobahn vielleicht schon im Raumordnungsverfahren zu Fall bringen", sagte der Sprecher des Dachverbands der A39-Gegner am Dienstagabend vor rund 150 Zuhörern im Foyer der Wittinger Stadthalle. Auch wenn, das räumte er ein, die Chance für diesen frühen Erfolg wohl nur bei zehn Prozent liege.

Vom Andrang bei der Info-Veranstaltung, in der es um die Arbeit des Schutz- und Klagefonds und um Tipps zu Einwendungen gehen sollte, waren die Autobahngegner offenbar selbst überrascht – einige Interessierte mussten durch die geöffnete Tür von draußen zuhören. Unter den Besuchern sah man viele Bürger aus den Orten, die an der jüngst publizierten Vorzugstrasse liegen: Darrigsdorfer, Wollerstorfer, Glüsinger, Knesebecker. Auch aus dem Bromer Land war man angereist, darunter Vertreter der neuen Bürgerinitiative aus Ehra-Lessien.

Das deutliche Signal: Der Widerstand hat sich in großen Teilen dorthin verlagert beziehungsweise dort zugenommen, wo die A39 schwerpunktmäßig erwartet wird.

Niemann präsentierte seinen Zuhörern die ganze Palette möglicher Gründe, die man für Einwendungen gegen die Autobahn vorbringen könne: Lärm, Schadstoffe, visuelle Beeinträchtigungen, Beeinträchtigung der Naherholung, möglichen Immobilien-Wertverlust. Dazu, mit Verweis auf den Gifhorner Südkreis, die Angst vor zunehmender Kriminalität in der Nähe von Autobahnabfahrten, vor zusätzlichem Verkehr in den Orten an den Zubringern und vor gekappten Verbindungen zwischen Nachbardörfern.

Niemann reagierte auch auf Argumente von Autobahn-Befürwortern: Die würden gern mit der Warnung vor Betriebsverlagerungen arbeiten und deshalb die Autobahn als Standortfaktor einfordern. Seine Überzeugung: "Wenn Unternehmen Standorte verlagern, dann nicht wegen einer Autobahn – da gibt es ganz andere Gründe. Sonst wäre ja auch das Glunz-Werk nicht da, wo es ist."

Gleichzeitig habe, so Niemann, auch die A250 in Lüneburg kein Mehr an Arbeitsplätzen gebracht – das zeige die Statistik seit dem Bau des Anschlusses nach Hamburg. Wenn die Salzstadt trotzdem auf gewisse Weise floriere, dann liege das an "guter Politik" in Sachen Kasernen-Umnutzung und Uni-Gründung.

Niemann betonte mehrfach, dass er gute Chancen für die Verhinderung der Autobahn sehe. Als eine Chance pries er die bevorstehende Kommunalwahl, "wenn klar wird, dass die A39 keine Stimmen bringt, sondern Stimmen kostet". Die Kommunen forderte er auf, sich "im Interesse ihrer Bürger" ernsthaft mit der A39-Planung auseinanderzusetzen und auf örtliche Probleme hinzuweisen. Generell, das sei ein Nebeneffekt der Anti-Autobahn-Arbeit, mache es "Spaß, den ganzen Muff und Filz, den Sie jetzt in den Gemeinden erleben, mal durcheinanderzuwirbeln".

Juliane Haufe vom Schutz- und Klagefonds kritisierte am Dienstag die Folgen, die die Autobahn für die Landwirtschaft haben werde. Dazu mehr in der morgigen Ausgabe.

VW und die Autobahn

"VW ist kein Promoter der Autobahn." Das behauptete Eckehard Niemann am Dienstagabend im Rahmen der Diskussion über die Interessen von Industrie und Gewerbe. Und: "Die A39 ist keine VW-Autobahn." Wie viel oder wenig Lobby-Arbeit aus Wolfsburg kommt, weiß sicher niemand genau. Das IK wollte jedoch Genaueres zu der Haltung des Wolfsburger Fahrzeugherstellers wissen und fragte nach – und in der Abteilung Konzern-Kommunikation formulierte man in dieser heiklen politischen Frage gestern merklich mit Bedacht: "Grundsätzlich begrüßen wir Infrastruktur-Maßnahmen, die zur Mobilität beitragen", sagte Sprecherin Heidrun Reimann. Um dann aber noch etwas deutlicher zu werden: "Man muss das Projekt zusammen mit der A14 betrachten. Beides fördert den Lieferverkehr in den Nord- und Ostseeraum, daher begrüßen wir das."

Erschienen: 27.04.2006: IK / 98 / Seite:3

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