Das Open R und die Chance einer Region

Thomas Mitzlaff

Von Thomas Mitzlaff - 8500 Menschen erleben auf dem Albrecht-Thaer-Gelände ein neunstündiges Festival, wie es seinesgleichen sucht im Umkreis von Uelzen. Und wer das Glück hatte, hinter die Kulissen schauen zu können, der erlebte dort Künstler, die voll des Lobes waren.

Keine Wohncontainer als Umkleiden wie andernorts, stattdessen in der ehemaligen Fabrikhalle viele, viele Kerzen, Teppiche und mit viel Liebe zum Detail ausgestattete Quartiere. Dazu ein Publikum, das einen großen Anteil hatte am Erfolg des Festivals – zumindest was die Veranstaltung als solche betrifft. Finanziell war das Open R 2010 für die Veranstalter unter dem Strich dennoch ein finanzieller Verlust. Das werden die Organisatoren auswerten und wohl auch Konsequenzen ziehen müssen. Etwa einen Preisnachlass für Kinder und Jugendliche zu gewähren. Oder aber eben nicht bis zum letzten Tag die Preise unverändert zu lassen und so zu riskieren, dass viele lange zögern, ob sie eine Karte kaufen. Je früher man kauft, desto günstiger ist das Ticket – das wäre doch ein Anreiz.

Doch der finanzielle Aspekt ist nur ein Teil des Themas. Denn immer mehr rückt auch der Umstand in den Vordergrund, dass ein solches Musikereignis eine Chance für die Region sein kann, den Bekanntheitsgrad zu erhöhen und sich nachhaltig in den Köpfen der Menschen als Ausflugs- und Urlaubsziel festzusetzen. Doch das wichtigste ist: Die Gremien und Entscheidungsträger müssen diese Chance als solche auch erkennen und sie am Schopfe packen. 50 000 Menschen strömten in drei Jahren nach Uelzen, das ist beispiellos für einen Landkreis, der so unglaublich viele Chancen verpasst hat und sich mittlerweile immer häufiger dem Ruf ausgesetzt sieht, er wolle ja abgehängt werden.

Dabei geht es nicht unbedingt um den finanziellen Aspekt. Als Veranstalter hat man das Risiko und bei einem Erfolg den wirtschaftlichen Gewinn. Doch wer kreativ ist, findet viele andere Möglichkeiten. Etwa eine solche Veranstaltung bei verschiedensten Anlässen bekannt zu machen, sie eben auch gesellschaftlich ausdrücklich zu unterstützen. Und wenn dafür auch finanziell etwas abgezwackt werden kann, vielleicht eben für Werbung, in der auch das Open R Erwähnung findet – umso besser. Um es etwas provokant zu formulieren: Immerhin leistet sich die finanziell klamme Stadt Uelzen eine Kulturmanagerin und auch Holdenstedter Schlosswochen, die Jahr für Jahr nur wenige hundert Besucher erfreuen.

Kurzum: Alle Seiten sollten versuchen, dieser Großveranstaltung mit ihrer Unterstützung eine Chance zu geben. Allzu viele davon wird es nämlich nicht mehr geben in einem Landkreis, der ohnehin nur noch selten wahrgenommen wird zwischen Hamburg und Hannover.

thomas.mitzlaff@cbeckers.de

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