Nicht nur Zuschauer sein

das wort zum sonntag.

Von Ralf Meister

Welchen Filmstar würden Sie gern einmal persönlich treffen? Noch nicht lange her, da waren sie alle auf dem roten Teppich der Oscar-Verleihung zu sehen. Sandra Bullock, Collin Firth, Cameron Diaz, Brangelina, George Clooney; die wunderbare Meryl Streep. Für einen leidenschaftlichen Kino-Gänger wie mich wäre es schon spannend, den einen oder die andere mal live zu erleben. Wie sind die so –nicht auf der Leinwand, sondern als Menschen aus Fleisch und Blut, mir gegenüber im Gespräch? Diva oder netter Nachbar von nebenan? Und wie es wohl wäre, an der Seite eines echten Stars selbst einmal in einem Film mitzuwirken? Traumfabrik Hollywood. Ich habe viel Sympathie für die Welt der bewegten Bilder, weil ich glaube, dass sie auf ganz eigene Weise unsere Sehnsucht und Hoffnung, aber auch den Schmerz berühren. Darin kommen sie dem sehr nah, was uns Menschen im Innersten ausmacht – auch unserem Glauben. Sicher, nicht alles ist wirklich filmreif, was wir als Zuschauer so zu sehen bekommen, aber das kennen wir ja aus dem richtigen Leben. Und so verknüpfen wir unsere eigenen Geschichten mit denen, die vor unseren Augen vorbeiziehen, tauchen ein in die Bilderwelt und finden uns plötzlich selbst mitten in der Handlung wieder.

Großartig, wenn das gelingt: Wenn aus Zuschauern Mitwirkende werden. Das ist Oscar-würdig und ein sehr evangelischer Gedanke, gleich im doppelten Sinne: Das Evangelium, die gute Nachricht von Jesus Christus, macht aus Zuschauern Hauptdarsteller des Lebens: Menschen, die befreit sind, ihre Gaben zu entfalten und mit ihrer je eigenen Persönlichkeit zur Geschichte Gottes mit dieser Welt beizutragen. Davon lebt auch die evangelische Kirche: Sie baut auf Christinnen und Christen, die Kirche gestalten, ihre Ideen und Begabungen einbringen und Verantwortung übernehmen. Nicht auf Zuschauer, nicht auf Statisten, sondern auf Akteure und Regisseure.

Am 18. März werden die Kirchenvorstände in unserer Landeskirche neu gewählt. Fast 2,5 Millionen Wahlberechtigte sind gefragt, mit ihrer Stimme die Männer und Frauen zu unterstützen, die in besonderer Weise Kirche mitgestalten und „Gemeinde stark machen“ wollen, wie es im Motto zur Kirchenvorstandswahl 2012 heißt. Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorsteher entscheiden über Gebäude und Finanzen ihrer Gemeinde, über Personalplanung, Gottesdienstkonzepte, Zusammenarbeit mit Nachbargemeinden und Partnern in Kommunen, Kultur, Schulen und Vereinen. Damit leisten sie einen ganz konkreten Beitrag zum Leben in ihrem Dorf, ihrer Stadt. Sie sind Mitwirkende, keine Zuschauer.

Einen Oscar gibt es dafür in der Regel nicht. Etwas zu bewirken in Gemeinschaft mit anderen – das ist vielen Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorstehern wichtig und wert, ihre Zeit und Kraft einzusetzen. Dafür möchte ich schon heute all denen danken, die dieses Amt in den letzten sechs Jahren ausgefüllt haben und den „Neuen“ für ihre Bereitschaft zur Kandidatur. Alle Wahlberechtigten bitte ich: Begleiten Sie die Kirchenvorstandswahl am 18. März nicht als Zuschauer, sondern als Mitwirkende. Machen Sie Ihre Gemeinde stark, indem Sie die künftigen Akteure mit Ihrer Stimme unterstützen.

Ralf Meister ist Landesbischof in Hannover. Das Wort zum Sonntag finden Sie auch im Internet unter az-online.de/lokales/kolumnen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare