Neues Gutachten – Tenor: Trasse bietet Potenziale für Wirtschaft und Tourismus

A 39: IHK legt nach

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Gutachter Stephan Kritzinger (rechts) stellte gestern in Lüneburg im Beisein von IHK-Hauptgeschäftsführer Michael Zeinert (Mitte) die Ergebnisse der Untersuchung vor.

ca Lüneburg/Uelzen. Die Kritik von Autobahngegnern wie Eckehard Niemann – er saß am Freitag mit in einer Pressekonferenz in Lüneburg, in der das Gutachten eines Schweizer Unternehmens zur A 39 vorgestellt wurde –, die neben Belastungen für Anwohner auch die fehlende Wirtschaftlichkeit der Trasse anführen, konterten Gutachter und IHK-Hauptgeschäftsführer Michael Zeinert:

Der Kosten-Nutzen-Faktor liege bei 1,9 – für einen verbauten Euro bekomme man über die kommenden 30 Jahre quasi 1,90 Euro wieder herein. Aktuell werden die Baukosten für die A 39 mit 1,1 Milliarden Euro beziffert.

Gutachter Stephan Kritzinger spricht von einem „Lückenschluss“. Der untersuchte Korridor, der von Lüneburg an Uelzen, Gifhorn und Wittingen vorbei nach Wolfsburg führe, verlaufe durch ein verkehrlich betrachtet unterversorgtes Gebiet mit rund 560 000 Einwohnern. Die bessere Erreichbarkeit komme verarbeitender und Bauwirtschaft zugute, wie ebenfalls der Verkehrs- und Tourismusbranche und dem Handel. Auch würde die Autobahn durch diese Effekte einen erwarteten Bevölkerungsschwund stoppen.

Eine große Rolle spiele dabei der zunehmende Güterumschlag in Häfen – neben Hamburg auch Lübeck, Bremen und Bremerhaven – eine Rolle. Der aktuellen Seeverkehrsprognose des Bundes zufolge soll der Güterumschlag bis 2030 um 80 Prozent zunehmen, allein Hamburg werde ein Plus von 90 Millionen Tonnen verzeichnen. Darin stecke die Chance, dass Logistikunternehmen sich beispielsweise im Hamburger Umfeld ansiedeln könnten – sofern die Standorte gut zu erreichen seien. Kritzinger: „Die A 39 wäre eine wichtige Voraussetzung dafür.“

IHK-Hauptgeschäftsführer Michael Zeinert weiß, dass die Wirtschaftsorganisation dicke Bretter bohren muss, um einen Autobahnbau zu erreichen. Nicht nur der Protest der Bürgerinitiativen und zu erwartende Prozesse dürften das Projekt verzögern, sondern auch die Tatsache, dass die A 39 im Bundesverkehrswegeplan nicht auf den vorderen Plätzen steht. Zeinert: „Wir machen uns da keine Illusionen. Es gibt im Moment keine auskömmliche Finanzierung. Die A 39 steht im Wettbewerb mit anderen Verkehrsvorhaben.“ Aber die IHK werde mit ihren Partnern in Berlin darum kämpfen, dass die Piste zwischen Elbe und Mittellandkanal gebaut werde.

Der Landesverband der Bürgerinitiativen Umweltschutz (LBU) lehnt den Bau der A 39 kategorisch ab, spricht von „Unsinnigkeit und Perspektivlosigkeit der Wahlkampf-Autobahn“. So verfolge die rot-grüne Landesregierung mittlerweile als Alternative die „Ertüchtigung der viel kostengünstigeren und regionaldienlicheren B 4“. Auch belaste die Trasse etwa Kurorte und für den Naturschutz wichtige Gebiete. Dies und die „fehlerhaften Verkehrs-Prognosen“ hätten die A-39-Gegner bereits durch mehrere Gutachten hochrangiger Experten belegt, heißt es. LBU-Vertreter Eckehard Niemann gibt sich optimistisch, die A 39 zu verhindern. So gebe es bislang rund 1600 Einwände zum A-39-Planabschnitt Lüneburg, dem ersten von insgesamt sieben, sagte er.

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