Dat Nervensystem

Ward oft Geschichten vertellt, de fröher so im de Döörpsschoolen passiert sind. An Stammdisch hebbt de Lehrers de Dönikens denn ton Besten gäben. Aber Namen, wer dat west is, hebbt se nie verraad. Een von düsse Geschichten heff ik mal in Gedichtsform uppschräben: De Lehrer holt Ünnericht in Biologie, und bringt de Kinner dan Minschen bi. Gift Nerven de gehorcht dan Willen, andere arbeitet ganz in stillen.

Dat Reden, dat Schnacken, dat Stahn, Loopen, dat Schwümmen, dat kann de Minsch sülmst bestimmen, dat gehorcht na sien Gehirn ohne Probleem, dat nennt man dat willkürliche Nervensystem. Gifft aber Nerven und Muskeln de gaht von ganz alleen, dat is dat unwillkürliche Nervensystem. Man nennt dat ok vegetativ, wat door passiert in een Liew. Dat na Luft schnappen, dan Pulsschlag in’ Hatten, man ward mööd mutt slaapen, bi’ Oogplikern bruukst nix to maaken. De Verdauung im Magen und Darm, föhlst ob dat koolt is oder warm. Dräumst mal wat von schönen Dingen, dat alles kannst du nich bestimmen. „So“, seggt de Lehrer, „nun will ich euch mal fragen, wer kann dafür ein Beispiel sagen?“ Een Deern, Else deiht de heeten, meld sick: „Herr Lehrer ik do dat weeten. Vegetativ is, dat weet ik sogewiß: Klaut man, mut man sik schämen, is man mööd mutt man gähnen. Grient man, mutt man lachen, da kann’st de nix bei machen. Hesst Dummheiten maakt, dat geiht ganz flott, denn kriggst du eenen roden Kopp. Eben fiel mich das noch ein, wenn man groß muss, muss man auch klein. Sind de Schularbeiten mal to schwor, denn hölpt mik uns Oma oft sogoor. Unsere Oma de ist schlau, weet alles ganz genau. Reckt mien vegetatives System mal nicht, ja dann muss das System unserer Oma auch mit ran. De hett alles je in Kopp, bi de geiht alles flott. Dat is bestimmt dat vegetative System, löppt alles von ganz alleen. Selbst Gedichte ut ehr School- tied kann se ut’n Kopp sogliek.“ Hüt meent veele Lüüd plattsnacken und verstahn kann ik, aber läsen dat fallt schwor. Is doch merkwürdig, in „Hochdütsch“ kann man sogoor läsen wat völlig falsch schräben is. Versöök doch mal wat nu up „Hochdütsch“ und falsch schräben is to läsen: „Afugrnud enier Stidue ist es eagl, in wlehcer Rienhnelfoge die Bcuhtsbaen in eniem Wort sethen, das enizg wcihtige dbai ist, dsas der estre und lzete Bcuhtsbae am rchihgiten Paltz snid. Der Rset knan ttolaer Bölsdinn sein, und man knan es torztedm onhe Porbelme lseen. Das ghet dseahlb, wiel das mneschilche Geihrn nicht jdeen Bchustbaen liset sodnern das Wort als Gnaezs.“ Na hebbt jü markt: Geiht doch, woto brukt wie noch eene Rechtschriebung? Wat is denn dat för een Nervensystem? Carl Friedrich Bautsch ist gebürtiger Groß Hesebecker und schreibt als Heimat- dichter über Land und Leute der hiesigen Region.

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