Die Wochenrevue von Thomas Mitzlaff

Der nächste heiße Castor-Herbst

Ende November soll der nächste Castor ins Wendland rollen – und die Vorzeichen sind schon allgegenwärtig im Landkreis Uelzen. Fast täglich sind Polizeikolonnen zu beobachten, die in Richtung Gorleben rollen. Der Staat rüstet wieder auf – in beispielloser Größenordnung.

Brücken werden mit Bewegungsmeldern, Kameras und Stacheldraht gesichert, Hubschrauber patroullieren am Himmel. Eine Region, die sonst durch Beschaulichkeit und überwältigend schöne Natur besticht, wird jetzt wieder geprägt durch geballte Polizeipräsenz. Der nächste heiße Herbst steht also bevor – mit den üblichen Szenarien wie Großdemonstrationen, Versuche, den verhassten Atomzug möglichst lange aufzuhalten, Emotionen, tätliche Auseinandersetzungen. Gewissermaßen also „business as usual“? Nein, ganz im Gegenteil. Denn einiges ist anders diesmal beim Castor-Transport ins atomare Zwischenlager. Da sind zum einen die bundespolitischen Vorzeichen. Denn der letzte Großeinsatz stand unter dem Eindruck der Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke, dieser Giftmüllzug nur ein Jahr später vor dem Hintergrund des beschlossenen Atomausstiegs. Viel entscheidender aber ist die Entwicklung rund um den Transport direkt. Da ist die wachsende Verunsicherung unter Polizisten angesichts unterschiedlicher Strahlenmessungen, da ist der Umstand, dass sich der Betreiber des Zwischenlagers, die Gesellschaft für Nuklear-Service (GNS) immer mehr von der Öffentlichkeit abkapselt. Und da ist der Umstand, dass nicht nur der Castor nach Gorleben diesen Herbst ein Thema ist. So laufen in der Asse die Vorbereitungen dafür, 126 000 Fässer mit Atommüll aus dem ehemaligen Bergwerk wieder herauszuholen und in Morsleben soll das Endlager für immer verschlossen werden. Auch das sind Meldungen, die die Zweifel an der Zuverlässigkeit und auch Seriosität des Umgangs mit Atommüll weiter wachsen lassen. Ende November rollt der letzte Zug aus Frankreich in den Landkreis Lüchow-Dannenberg, dann ist zwei Jahre Ruhe, bevor die nächste strahlende Fracht aus England ins Wendland kommt. Und eine Antwort auf die entscheidende Frage, wie das Atommüllproblem zu lösen ist, wird auch dann noch niemand haben. Und so sind die Polizeiaufmärsche in Sachen Gorleben auch ein Symbol – für das Scheitern der Politik. thomas.mitzlaff@cbeckers.de

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