Nach der Wahl ist vor der Wahl

Nach der Wahl ist vor der Wahl – diese Erfahrung gilt in der Politik genauso wie in der Kirche! Am 18. März wurden neue Kirchenvorstände gewählt. Am selben Tag versammelte sich in Berlin die Bundesversammlung zur Wahl des Bundespräsidenten.

Am vergangenen Wochenende gab es Neuwahlen im Saarland und die Kirchenvorstände stehen demnächst vor der Wahl ihrer neuen Vorsitzenden.

Auch für die Konfirmandinnen und Konfirmanden geht es in diesen Wochen um Wahlen! Für die Vorstellungsgottesdienste wählen sie sich kleinere und größere Aufgaben aus, die sie dann an einem Sonntag in ihrer Gemeinde präsentieren. Und etwas später, an einem der Sonntage nach Ostern kommt der Tag der Konfirmation.

Auch da wird eine Wahl getroffen – in zweifacher Hinsicht: Zunächst geht es um die Erinnerung an die eigene Taufe. Denn damals wurde sichtbar über dem Leben des Getauften eine Wahl von ganz oben getroffen: Gott hat gewählt! Und weil das für uns Menschen so unglaublich klingt, bestätigt Jesus das im Johannesevangelium ausdrücklich, indem er sagt: „Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt ...“ (Kap. 15,16)

Wie bei jeder ordentlichen Wahl steht seitdem für die Konfirmanden eine wichtige Frage an: Nimmst Du die Wahl Gottes an? Mit einem hörbaren, offiziellen „Ja“ wird die Wahl dann (hoffentlich) bekräftigt und bestätigt.

Insofern heißt es für die Konfirmanden in diesen Wochen „Nach der Wahl (Gottes) ist vor deiner persönlichen Wahl!“ Denn mit ihrem Bekenntnis des Glaubens am Konfirmationstag sind sie eingeladen, den Weg, den Gott sichtbar am Tag der Taufe mit ihnen begonnen hat, zu bestätigen (lat.: confirmare).

Genau wie für uns Erwachsene bleibt manche Frage auch nach der Konfirmation offen – und manche gefundene Antwort kommt eines Tages als neue Frage zurück. Aber das Wichtige auf dem Weg des Glaubens ist das Vertrauen, dass Gott uns tatsächlich erwählt hat; und dass er – anders als wir Menschen, seine Wahlentscheidungen weder zurücknimmt, noch korrigiert. Wie gut, dass wir uns darauf verlassen können: Gott macht das Kreuz an der richtigen Stelle – vor 2000 Jahren genauso, wie heute.

Wolfhardt Knigge leitet das Missionarische Zentrum in Hanstedt I und ist Pastor der St. Georgs Kirche. Das Wort zum Sonntag finden Sie auch im Internet unter az-online.de/lokales/kolumnen

Von Wolfhardt Knigge

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