Das Wort zum Sonntag

Nur Mut!

Vorsichtig klettert das kleine Mädchen auf die Rutsche, wartet, guckt, zögert. „Komm, ich halte dich“, ruft der Papa von unten. Doch es braucht noch eine Weile, bis das Kind – immer noch ein bisschen ängstlich – dem Papa entgegen saust. Der fängt sein Töchterchen mit sicherem Griff, freut sich mit ihr und ist stolz über ihren ersten Rutsch-Versuch.

Beide lachen, und das Spiel beginnt von neuem. Nun schon etwas forscher, steigt die Kleine die Leiter wieder hinauf, probiert es ein zweites Mal, ein drittes, wieder und wieder. Schließlich ist die Rutsche auf dem Spielplatz erobert, eine neue Quelle kindlichen Glücks. „Komm, ich halte dich“ - war das entscheidende Wort. Die ausgestreckten Arme des Vaters, das Vertrauen: er ist da und fängt mich auf. Ich kann mich trauen, wenn ein anderer mir was zutraut. Eine wichtige Erfahrung, nicht nur für Kinder, sondern für jeden Menschen. „Komm!“ hat Jesus dem Petrus zugerufen, als der über das Wasser zu ihm gehen wollte. Petrus ist mit den anderen Jüngern im Boot auf dem See unterwegs, sie geraten in schweren Sturm. Jesus – so berichtet die Bibel – geht ihnen auf dem Wasser entgegen, um sie zu beruhigen und um ihnen die Angst zu nehmen. Petrus ist einer, der gern etwas wagt, der nach vorn will. Und jetzt, im vom Sturm geschüttelten Boot, verliert er seine Angst, weil er Jesus in der Nähe weiß. Er will zu ihm auf das Wasser, und Jesus traut ihm das zu und spricht: „Komm her!“ Und das Unmögliche gelingt: „Petrus stieg aus dem Boot und ging auf dem Wasser und kam auf Jesus zu.“ Das Unmögliche gelingt allerdings nur einen kurzen Moment: solange Petrus an sich und an seinen Mut und an Jesus glaubt. Oft ist es sinnvoll, vorsichtig und vernünftig zu sein. Manchmal ist es genauso sinnvoll, mutig zu sein, das Unmögliche zu wagen und über den Bootsrand zu steigen. Damit sich etwas bewegt. Damit das Leben eine andere Richtung bekommt, damit sich neue Möglichkeiten und Wege auftun. Jesus sagt: „Komm! Hab Vertrauen in dich, denn ich bin da und halte dich!“ Nur Mut!

Anne Stucke ist Pastorin in Ebstorf.

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