Moritz Freiherr Knigge spricht in Uelzen über Wertschätzung, Ich-Botschaft und Souveränität

Nur Freunde soll man duzen

Uelzen. „Nicht alle sind ganz freiwillig hier, und das tut mir leid. “ So beginnt Moritz Freiherr Knigge seinen Vortrag im Theater an der Ilmenau vor rund 400 Schülern der 10. und 11. Jahrgangsstufen des Lessing- und Herzog-Ernst-Gymnasiums.

Die Schulelternräte hatten den Nachfahren des berühmten Adolf Freiherr Knigge nach Uelzen eingeladen. „Und wer sich hier ganz unwohl fühlt, der kann hoffentlich trotzdem etwas mit nach Hause nehmen“, so Knigge. Auf seine Frage, wer denn schon mal etwas von Knigge gehört habe, zeigen nur einige Finger in die Höhe. „Erstaunlich wenig“, kommentiert Knigge.

Er referiert kurz über seinen Vorfahren, „den richtigen Knigge“, der von 1752 bis 1796 und somit in der Zeit der Ständegesellschaft lebte. In seinem ersten Buch mit dem Titel „Über den Umgang mit Menschen“ sei nur in einem Satz von Etiketten die Rede gewesen. Mittlerweile ist das Wort „Knigge“ in den allgemeinen Sprachgebrauch eingegangen und daher nicht geschützt.

Moritz Freiherr Knigge selber ist 1968 geboren und ein „echter Niedersachse“, denn er ist bei Hannover aufgewachsen. Nach seiner Ausbildung als Verlagskaufmann hat er studiert und daraufhin für ein Internetunternehmen gearbeitet, wo er auch seinen Partner Michael Schellberg kennenlernte.

Beim Philosophieren vor etwa zwölf Jahren entstand die heutige Geschäftsidee mit dem Thema „Umgang und Kommunikation“: Die beiden gestalten Seminare zu zweit, Knigge hält Vorträge allein, Schellberg ist dafür zuständig, Ideen zu Papier zu bringen. Vier Bücher haben die Zwei geschrieben, bei einem weiteren mitgewirkt. Die neueste Veröffentlichung ist ein erstes Hörbuch mit dem Titel „Unhöfliche Zeiten – Wie wir uns und anderen das Leben zur Hölle machen“.

Was will Knigge also den Uelzener Schülern näher bringen? Er gibt Tipps für gute Umgangsformen: Kommuniziert wird auch ohne zu reden. „Denken Sie bei der Job-Suche daran, dass die Kleidung angemessen ist. Wenn Sie zu einem Vorstellungsgespräch in die Bank gehen, können Sie nicht in kurzer Hose erscheinen.“

Auch stünde jedem Menschen ein „Guten Tag“, ein „Auf Wiedersehen“, ein „Danke“ und ein „Bitte“ zu – auch dem Kellner im Restaurant. Als höflich sieht er es auch an, wenn bei der Begrüßung das Gegenüber mit Namen angeredet wird. „Das ist ein Zeichen von Wahrnehmen und Wertschätzen“, betont Knigge. Das Duzen dagegen betrachtet er als Unhöflichkeit. „Nur ein Freund darf geduzt werden“, so Knigge, „Fremde und gerade Ältere fühlen sich unwohl oder empfinden das Duzen oft als unhöflich.“

Jeder solle sich für seine Mitmenschen interessieren, appelliert Freiherr Knigge, und nicht weggucken, wenn jemandem Leid angetan werde. „Zivilcourage“ sei das Stichwort. Jeder Heranwachsende und Erwachsene sei für Jüngere verantwortlich, so sollte man zum Beispiel nicht bei Rot über die Ampel gehen, „schon gar nicht, wenn Kinder in der Nähe sind“.

Wichtig sei auch die richtige Kommunikation, das Senden einer „Ich-Botschaft“. Das Gegenüber muss wissen, wenn „ich mich angegriffen fühle“. Auch sollte jeder sein Handeln richtig einschätzen können, dafür einstehen, zu den Konsequenzen stehen. Und letztendlich nennt er die Souveränität als wichtigen Faktor im Umgang mit den Mitmenschen und mit sich selbst.

Abends referierte Knigge vor etwa 150 Erwachsenen, denen er die Botschaft mit auf den Weg gab, Kinder und Jugendliche als vollwertig anzusehen und sie so wertzuschätzen, wie sie sind.

Von Sabine Liedtke

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