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Mini-Fachwerkhaus zieht aus JVA Uelzen ins Museumsdorf Hösseringen um

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Der JVA-Bedienstete und Tischlermeister Dirk Raatz übergibt das Fachwerkhaus mit Reetdach im Miniaturformat an den Museumsmitarbeiter Jarek Kosiello.
Der JVA-Bedienstete und Tischlermeister Dirk Raatz übergibt das Fachwerkhaus mit Reetdach im Miniaturformat an den Museumsmitarbeiter Jarek Kosiello. © Privat

Ein Fachwerkhaus mit Reetdach im Miniaturformat ist jetzt nach mehrwöchigen Arbeiten als Dauerleihgabe aus der JVA Uelzen in das Museumsdorf Hösseringen umgezogen.

Uelzen/Hösseringen – In der arbeitstherapeutischen Abteilung der JVA Uelzen riecht es nach gesägtem Holz und frischer Farbe. An den Wänden hängen Regale mit Schrauben und Holzdübeln, die Schraubzwingen hängen nach Größe geordnet in den Halterungen. Durch ein vergittertes Fenster ist nur die mit Stacheldraht umwehrte Mauer zu sehen.

Betriebsleiter Dirk Raatz steht an einer der Werkbänke und betrachtet zufrieden ein gerade fertiggestelltes Werkstück – ein Fachwerkhaus mit Reetdach im Miniaturformat. Nach mehrwöchigen Arbeiten ist die Dauerleihgabe für das Museumsdorf Hösseringen nun zur Übergabe bereit.

Holz- und Reparaturarbeiten oder spezielle Werkstücke

Aktuell werden acht Gefangene in der Holzwerkstatt beschäftigt. Unter Anleitung des Tischlermeisters Raatz führen sie einfache Holz- und Reparaturarbeiten aus oder fertigen auf Anfrage auch spezielle Werkstücke.

„Wirtschaftliche Aspekte sind dabei zweitrangig. Es geht vielmehr darum, einzelne Gefangene an die Arbeit heranzuführen, sie an einen strukturierten Tagesablauf zu gewöhnen und ihnen leicht erlernbare handwerkliche oder kunstgewerbliche Fähigkeiten zu vermitteln“, heißt es aus der JVA.

„Über kleinere Fehler wird dabei hinweggesehen, wichtig ist ein ansprechendes Endergebnis“, sagt Dirk Raatz. Die hier beschäftigten Teilnehmer sollten ohne Druck Erfolgserlebnisse verzeichnen können und so den Grundstock für eine spätere Beschäftigung in Freiheit leben, ergänzt er.

Drei Wochen lang gesägt, geschliffen und zusammengesetzt

Dabei sind eigene Ideen und Kreativität immer gern gesehen: Das besagte Fachwerkhaus ist nämlich unter anderem dem Engagement eines Inhaftierten zu verdanken, die Bauanleitung stammt aus dem Internet. Rund drei Wochen hat der Gefangene schließlich unter Anleitung gesägt, geschliffen und zusammengesetzt – eine kleinteilige Aufgabe, die Geduld und Durchhaltevermögen erforderte und die Raatz auch nicht jedem in seiner Obhut hätte übertragen können, wie er sagt.

Ein Verkauf des fertigen Fachwerkhauses kam für Raatz nicht infrage. „Möglichst viele Menschen sollten von der Arbeit dieses Gefangenen erfahren und Freude an dem Ergebnis haben. Gute Leistungen haben Wertschätzung verdient.“ Es folgte eine Anfrage beim Museumsdorf Hösseringen. Nach einem Telefonat stand fest: Das Fachwerkhaus wird als kostenlose Dauerleihgabe im Museumsdorf ausgestellt.

Dabei bleibt es längst nicht das einzige Ausstellungsstück aus der JVA Uelzen im Landkreis Uelzen: Eine hölzerne Windmühle mit einem detaillierten und beweglichen Mahlwerk wird in Kürze noch dem Handwerksmuseum in Suhlendorf übergeben.

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