Meine Woche in Berlin

Lasst die Frauen selber bestimmen

Während der Klausurtagung der FDP-Bundestagsfraktion haben wir letzte Woche ein 12-Punkte-Programm zur Sicherung von Wohlstand, Bürgerrechten und Eigentum verabschiedet. Eine Garantie-Erklärung für die Freiheit.

Für viele ist Freiheit heute selbstverständlich. Dabei ist es das keinesfalls. Für mich ist Freiheit das wichtigste politische Ziel, und deshalb möchte ich an dieser Stelle aus dem FDP-Beschluss zitieren: Freiheit bedeutet für uns, frei zu sein von Zwang, sozialer Not und Furcht, das Recht zu haben zur ungehinderten Entfaltung der Persönlichkeit und zur verantwortungsvollen, auf eigenem Urteil beruhenden Bestimmung des eigenen Lebens.

Quoten sind für mich als Liberale deshalb keine Option. Starre Vorschriften entmündigen alle, die einen Posten zu besetzen haben. Einzig und allein die Leistung muss ausschlaggebend sein, welcher Bewerber oder welche Bewerberin den Job bekommt. Und nicht das Geschlecht.

Ohnehin schaffen es Frauen in deutschen Unternehmen immer häufiger in Führungspositionen. In den vergangenen zwölf Monaten seien knapp 41 Prozent aller neuen Führungspositionen in Deutschland mit Frauen besetzt worden, heißt es in einer am Donnerstag veröffentlichten Untersuchung der Personalberatungsgesellschaft Egon Zehnder International. Damit liegt Deutschland sogar über dem europäischen Durchschnitt. Umso antiquierter ist es, dass ausgerechnet jetzt verbissene Quotenbefürworterinnen so tun, als würden sich Frauen nichts sehnlicher wünschen als staatliche Vorgaben.

Vom Streit um die Einführung einer 40 Prozent-Quote für Aufsichtsräte hat ohnehin die überwiegende Zahl der Frauen gar nichts. Es geht gerade mal um 900 Posten. Was haben alle anderen Frauen davon? Darum muss es gehen.

Was Frauen wollen, ist Wahlfreiheit. Und zwar echte. Frauen wissen selber, dass sie es sich schon wegen der Entwicklung der Renten gar nicht leisten können, lange im Beruf auszusetzen. Aber sie wollen selber entscheiden, wie sie ihr Leben gestalten wollen. Ob sie Karriere machen oder ihren Lebensmittelpunkt in der Familie sehen. Oder ob sie beides, Familie und Beruf, in Einklang bringen wollen.

Kinder dürfen jedenfalls kein Karrierehindernis sein. Die Unternehmen sind in der Pflicht. Flexible Arbeitszeitmodelle und ein gutes Betreuungsangebot sind das eine, eine andere Präsenzkultur das andere. Wenn noch lange abends das Licht im Büro brennt, ist dies kein Beleg für effizientes Arbeiten. Es gibt schon viele positive Beispiele innovativer Arbeitsmodelle. Einige DAX-Konzerne bieten jungen Müttern während der Elternzeit Fortbildungen und Workshops an. Sie wollen, dass ihre Top-Leute schnell zurück kehren. Alle familienfreundlichen Maßnahmen für Mütter – u n d Väter!! sind zu begrüßen. Dazu gehört eine andere Präsenzkultur. Norwegen ist ein Vorbild, dort sind die meisten Väter nach 17 Uhr nicht mehr im Büro. Und noch ein Wort zur Quote: Warum orientieren sich die Befürworterinnen immer nur an den großen Konzernen? Der Mittelstand macht es vor. In kleineren Betrieben wird nicht groß lamentiert, sondern in Form von flexiblen und unbürokratischen Maßnahmen gehandelt. Chefinnen sind im Mittelstand keine Seltenheit mehr.

Jedes Lebensmodell ist gut, so lange wir wählen können. Wir sollten uns hüten, dass die Frauenpolitik in der Kollektivismusfalle stecken bleibt.

Nicole Bracht-Bendt ist FDP-Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis Uelzen.

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