Mehr Infos für Eltern statt Streit um Schulen

Die einen warnen vor den Auswirkungen einer Integrierten Gesamtschule (IGS) auf die Schulstandorte im ländlichen Raum. Die anderen halten das Gegenmodell – die vom Land neu eingeführte Oberschule – für einen Etikettenschwindel. Und in der ganzen kontroversen Debatte fallen auch starke Worte.

Keine Frage: Der Streit um die Einführung neuer Schulformen im Landkreis Uelzen ist auf dem besten Weg, zum bestimmenden Thema im diesjährigen Kommunalwahlkampf zu werden. Während die Uelzener CDU die Oberschule favorisiert, also eine Zusammenlegung von Haupt- und Realschulen, plädiert die SPD für eine IGS-Gründung in der Uhlenköperstadt – mit jahrgangsbezogenen Lerngruppen für Schüler unterschiedlichen Leistungsvermögens. Doch der parteipolitische Streit, der bis zur Wahl am 11. September noch an Schärfe zunehmen dürfte, geht an den Bedürfnissen der Bürger vorbei. Inzwischen blicken viele Eltern nämlich nicht mehr durch, welche Schulform für welches pädagogische Konzept steht, worin sich Gymnasium, IGS, KGS, Realschule oder Oberschule eigentlich unterscheiden. Das könnte auch die magere Resonanz des jüngsten Infoabends der Stadt Uelzen zu diesem Thema erklären. Lediglich 70 Zuhörer kamen zu der Veranstaltung, darunter viele Kommunalpolitiker. Wie sich die Schullandschaft im Kreis Uelzen angesichts sinkender Schülerzahlen verändern wird, ist noch völlig unklar. Fest steht bislang nur, dass das Land die Einführung einer Oberschule in Rosche genehmigt hat. Doch bevor die Kommunalpolitik nun die Weichen in die eine oder andere Richtung stellt, sollten erst die Erfahrungen mit dieser neuen Schulform abgewartet werden. Auch hinsichtlich der IGS gibt es noch viele Unklarheiten: Kommt die dafür erforderliche Zahl an Anmeldungen überhaupt zusammen? Was würde die Einrichtung im Gebäude der Uelzener Theodor-Heuss-Schule kosten? Und wie wäre die IGS pädagogisch ausgerichtet? Vielleicht erledigt sich die Diskussion aber auch von ganz allein – wenn nämlich die Nachfrage der Eltern nach einer IGS zu gering ist. Bevor dazu genaue Zahlen und Konzepte vorliegen und das neue Modell Oberschule noch nicht gestartet ist, sollte die Kommunalpolitik in Stadt und Kreis den Ball sprichwörtlich lieber flach halten: Umfassende Information der Eltern statt parteipolitisches Gezänk, das ist jetzt gefragt.

Von Bernd Schossadowski

bernd.schossadowski@cbeckers.de

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