Mehr als mit dem Finger auf der Landkarte

Setzen sich mit dem Verkehr in der Gemeinde Ehra-Lessien auseinander: Peter Albrecht (v. l.), Klaus Schneck, Olaf Lies, Jenny Reissig und Renate Otto. Foto: Post

Ehra. So schnell geht das manchmal. Vorgestern Abend hat die Mehrheit im Rat der Gemeinde Ehra-Lessien für den Antrag auf Aufnahme der Ortsumgehung für Ehra in den vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplanes gestimmt, gestern kam gleich Besuch aus Hannover nach Ehra, um sich dem Thema zu widmen.

Okay, das war geplant, aber der SPD-Landesvorsitzende Olaf Lies weiß nun ziemlich genau, wie es um die Verkehrssituation in der Gemeinde bestellt ist.

Schließlich hat die Gemeinde mit Nachdruck auf den Wunsch einer Umfahrung des Ortes im Zuge des Baus der Autobahn 39 hingewiesen. Gerade auch, weil der Bau der Bundesstraße 190n als Verbindung der A 39 und der A 14 noch nicht sicher ist. „Ob und wann sie kommt, ist das große Fragenzeichen“, sagte Ratsherr Peter Albrecht (SPD) gestern in der Runde mit Lies, dem SPD-Landtagsabgeordneten Klaus Schneck und Ratsfrau Renate Otto (SPD).

Und am Bau der B 190n liegt es, so wird prognostiziert, inwieweit die Verkehrsbelastung in Ehra in Zukunft ausschaut. „Wenn sie nicht kommt, sind wir die einzige Erschließung in den Osten“, sagte Ehra-Lessiens Bürgermeisterin Jenny Reissig. Selbst wenn die B 190n gebaut wird, gibt es Befürchtungen nach einer weiteren Zunahme des Verkehrs im Ort. Vor allem aber, da es hingegen sicher ist, dass die A 39 zwischen Ehra und Lessien verlaufen soll. Eine Umgehung muss her.

Das hat auch der Gemeinderat erkannt. Bei ihrer Sitzung am Mittwochabend im Landhotel Heidekrug in Ehra votierten sechs Mitglieder des Rates für einen Antrag auf Aufnahme der Trasse, die nördlich um Ehra verlaufen soll, in den vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplanes. Dirk Fricke (CDU) konnte diesem Antrag „im Moment nicht zustimmen“ – wegen der Unsicherheit um die B 190n. Auch Christdemokrat Markus Trzonnek war gegen den Antrag, der jedoch bei einer Stimmenthaltung den Rat passierte.

So können die Bemühungen um die entlastende Strecke forciert werden. Zeitdruck ist da. 2016 wird der Bundesverkehrswegeplan novelliert, für 2014 ist aber der Spatenstich für die A 39 angepeilt – und der Bau der Umfahrung Ehra soll, wenn es nach der Gemeinde geht, im Zuge des Autobahnbaus erfolgen. „Wir müssen an allen Fronten kämpfen“, so Reissig im Rat. Bei einem Bogen nördlich um den Ort wäre man auch zunächst mit einer Teillösung zufrieden. „Wenigstens ein Teilstück, dann wäre uns schon sehr geholfen“, merkte die Bürgermeisterin an.

Das könnte westlich von Ehra an der Landesstraße 289 beginnen und nördlich an der L 288 anknüpfen. Ein weiterer Aspekt pro Bau einer Umgehung des nicht zuletzt mit der Bundesstraße 248 belasteten Ortes sind die derzeit schlechten Straßen. Der Unterbau ist auf lange Sicht nicht gemacht für den Schwerlastverkehr, schon jetzt tragen die Erschütterungen zu Rissen an Häusern bei.

Landesvorsitzender Lies sieht jedoch die „Schwierigkeit“ des Projektes Ortsumgehung „die Teillösung zu einer Gesamtlösung zusammenzutragen. Für eine komplette Umfahrung würde die Trasse östlich von Ehra an die B 248 gen Osten anschließen. Der SPD-Landeschef erinnerte an den unterfinanzierten Bundesverkehrswegeplan, die finanziellen Mittel sind mehr als beschränkt, was natürlich stark im Kontrast zu einem mit hohen Kosten verbundenen Bau einer Trasse steht.

Auf jeden Fall sind die Landespolitiker Lies und Schneck schon mal auf dem neuesten Stand der Entwicklungen im verkehrsgeplagten Ehra. „Wir nehmen das mit“, so Lies. Von heute auf morgen wird das Projekt gleichwohl keine Konturen annehmen.

Von Benjamin Post

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare