Maskerade in Gericht

Is nich to glöben, dat man hüt in Gericht sik Masken uppsetten kann. De Angeklagten könnt ehr Gesicht mit Aktenordner und Pudelmützen verstäken.

Bald ward dat ok de Tüügen ut Angst maken. Maskerade in Gericht in Dütschland? Wo läwt wie eegentlich? Dat giwt dat, so wie ik annehm, nirgends in der Welt.

Gerichte wärn de Stellen wo man Recht schaffen hett. De Richter seeten meistens etwas höher as de annern, Wenn se rinkömen in ehr Robe, stünden de Lüüd alle up. Dat wär richtig feierlich alle Richter nöhmen ehr Barett aff, bevör se sik hensetten dän. De Staatsanwalt seet meistens an de Finstersiet, dormit he de Angeklagten beeder in de Ogen kieken könn. Nützt em je nix mehr, de Angeklagte hett sik je maskiert.

Kiekst du hüt mal in Fernsehsendungen dik de Serien an, is dat mit fröher nich to verglieken. De Tüügen reed alle ohne fragt to warn dortwischen. Jugentliche nehmt in Gericht nich mal mehr ehr Mütz aff. Gegensietig brüllt se sik an. Wärn fröher Foodabdrück und Fingerabdrücke de wichtigsten Bewiese, sind dat hüt de „Geen-Teste.“ Meistens end de Sendungen so, plötzlich kummt noch een Tüuge rin, oder man find dor wat up’n Händy. Up de Leinwand oder Fernsher, ward denn vörher nich bekannte Biller oder Filme zeigt. Ik kann mik nich vörstell’n dat dat öwerall Praxis in uns ehrboren Gerichte is.

Wenn du hüt aktueller Biller in Fernsehn von Verhanlungen sühst, hebbt de Angeklagten, mit ehr Aktenordner vörn Kopp, woll de meisten Rechte. Dütschland wat is ut uns Gerichte worden?

Natürlich ward de Tüügen belehrt, dat se sik sülmst nich belasten brukt. Har doch mal een Richter dan Tüügen fragt: „Nu seggt se doch mal, wer bi dan Autounfall dan Wagen föhrt hett.?“ Antwort em de Tüüge: „Se hebbt seggt man brukt sik sülmst nich belasten, nee, dat do ik nich, sienen Brooder verrad man nich.“

Een anner Tüüge söll mal seggen bi Gericht, wat he bi de Schlägerei up’n Danzvergnögen mitkrägen har. „Herr Richter, dat is so,“ antwort em Fritz de Tüüge, „eerst hett Franz dan Willi eenen Kinnhaken gäben, dat he daalföll. Denn aber is Willi uppstahn und hett Franz wörk an’t Muul haut. Denn hebbt se sik richtig prügelt. Dorbi mutt Franz em noch mit’n Been vörn Buuk perrt hem, dat he liggen bläw.“ Do meen de Richter: „So Herr Zeuge haben sie das gesehen?“

„Nee, Herr Richter, sehn heff ik nlx. Ik har doch Angst, dat ik ok poor an de Schnuut kräg, ik heff mik achter de Döör stellt, heff dat blot hört,“ antwort Fritz. „So, sie haben das nur gehört und nicht gesehen. Das alleine genügt mir nicht, auf dem Gericht zählt was sie gehört und gesehen haben. Bei diesem Gericht zählt vor allem was sie gesehen haben, sie können sich setzen,“ belehr em de Richter.

De Tüüge Fritz stünd up, güng na sien Platz. Dorbi löt he ganz luut eenen „gahn,“ eenen „pupsen,“ dat dat alle in Gericht mit hören können.

Do rööp de Richter: „Halt Herr Zeuge, ich muss Sie bestrafen wegen ungebührlichen Benehmen vor Gericht.“

Fritz drei sik rüm und grien: „Dat geiht doch nich, Herr Richter, up dütt Gericht, tellt doch nich wat man hört hat, und Herr Richter ik meen, se hebbt doch ok bestimmt nix sehn.“

Von Carl-Friedrich Bautsch

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare