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800 Menschen setzen bei Mahnwache in Uelzen ein Zeichen für den Frieden

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Von: Lars Becker

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Auf den Stufen des Rathauses stellten Menschen Kerzen auf, legten Blumen nieder und platzierten Schilder als Ausdruck ihrer Angst oder Wut. Uelzen setzte gestern ein imposantes Signal gegen den Krieg, für den Frieden.
Auf den Stufen des Rathauses stellten Menschen Kerzen auf, legten Blumen nieder und platzierten Schilder als Ausdruck ihrer Angst oder Wut. Uelzen setzte gestern ein imposantes Signal gegen den Krieg, für den Frieden. © Oliver Huchthausen

Rund 800 Menschen haben sich am Dienstagabend an der Mahnwache auf dem Herzogenplatz unter dem Motto „Gemeinsam gegen Krieg – für Frieden und Freiheit in der Ukraine“ beteiligt. Sie erlebten emotionale Wortbeiträge

Uelzen/Landkreis – Als Vladimir Shalagin, Olena Ivantsuira, ihr Mann Vladyslav Petrus und Iuliia Riechers nacheinander ans Mikrofon treten und teils mit tränen-erstickter Stimme über den Krieg in ihrem Heimatland sprechen, liegt eine betroffene Stille über dem Herzogenplatz. Die aber wird immer wieder unterbrochen: von Applaus, der Mut machen und Zusammenhalt demonstrieren soll.

Vor dem Rathaus haben sich am Dienstagabend nach Schätzungen der Polizei rund 800 Menschen bei der gemeinsamen Mahnwache von Landkreis und Hansestadt versammelt – ein beeindruckendes Bild.

Kerzen, Blumen und Schilder auf den Rathaus-Stufen

Etliche entzünden auf den Treppen Kerzen, legen Blumen ab und stellen Schilder auf. Noch mehr tragen die Landesfarben der Ukraine. „Ich freue mich, dass so viele Uelzen in Blau und Gelb tauchen. Wir sind heute Abend nicht nur solidarisch, heute Abend ist Uelzen die Ukraine“, sagt Bürgermeister Jürgen Markwardt.

Landrat Dr. Heiko Blume betont zuvor: „Ich bin dankbar, dass wir heute Abend gemeinsam ein Zeichen setzen: gegen den Krieg – für Frieden und für Freiheit in der Ukraine.“ Beide vergessen neben den 65 Ukrainern, die in Uelzen leben, auch die fast 800 mit russischen Wurzeln ausdrücklich nicht: „Das ist ein Krieg von Putin, nicht von der russischen Bevölkerung. Wir stehen auch an Eurer Seite“, ruft Markwardt ihnen zu. Und Blume erklärt: „Das russische Volk ist nicht Täter, sondern in der ganz großen Mehrzahl Opfer.“

„Kinder mit russischen Wurzeln in der Schule angespuckt“

Wie wichtig es ist, genau das zu betonen, schildert der Landrat nur Sekunden später: „Den Respekt dürfen wir alle auch hier vor Ort nicht als Maßstab aus den Augen verlieren: Dieser Respekt fehlt, wenn ich heute von einer Schulleiterin hier aus dem Landkreis höre, dass Kinder mit russischen Wurzeln in der Schule angespuckt werden. Das geht gar nicht, ist nicht zu tolerieren!“

Markwardt spricht von einem sureealen Moment: „Wir können gleich nach Hause gehen, uns vor den Fernseher setzen und nachher in Ruhe schlafen. Keine 2000 Kilometer entfernt müssen aber Menschen zur gleichen Zeit um ihr Leben fürchten und sehen das Schlimmste noch auf sich zukommen.“ Er sei aber sicher, dass Putin Angst habe: „Nicht vor der Ukraine oder der Nato, sondern vor seinem eigenen Volk und der Demokratie.“

Angst, Verzweiflung - aber auch große Dankbarkeit

Vladimir Shalagin, Olena Ivantsuira, Vladyslav Petrus und Iuliia Riechers haben Familie und Freunde in der Ukraine – aber auch in Russland. Sie berichten von Telefonaten in die Heimat, die von Angst und Verzweiflung geprägt sind. Sie appellieren an die Uelzener, von Medikamenten bis Kinderkleidung zu spenden.

Sie äußern ihren Dank dafür, dass die Menschen an diesem Abend gekommen sind. Ihnen allen fallen die Worte schwer. Aber sie müssen ausgesprochen werden, damit klar ist: Der Krieg ist nicht weit weg.

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