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Lidia Ratt: Ehrenamtliche Maklerin für Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine

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Von: Lars Becker

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Lidia Ratt möchte für Ukrainer in Sachen Wohnungssuche eine ehrenamtliche Türöffnerin sein.
Lidia Ratt möchte für Ukrainer in Sachen Wohnungssuche eine ehrenamtliche Türöffnerin sein. © Privat

Lidia Ratt aus Uelzen engagiert sich seit Monaten mit ganzer Kraft für Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine. Jetzt will sich die Maklerin verstärkt bemühen, ihnen ehrenamtlich Wohnraum zu vermitteln.

Uelzen/Landkreis – Sie hat Sachspenden gesammelt und im Konvoi an die polnisch-ukrainische Grenze gebracht. Sie hat von dort verzweifelte Kriegsflüchtlinge mit nach Deutschland genommen. Sie engagiert sich seit Monaten für die Menschen aus der Ukraine, die ihre Heimat angesichts des russischen Angriffskrieges verlassen haben: Die Rede ist von Lidia Ratt.

Die gelernte Altenpflegerin ist Russin, lebt seit fast 20 Jahren in der Hansestadt Uelzen. Und sie hat inzwischen ein weiteres Betätigungsfeld entdeckt: Sie will angesichts stagnierender Angebote jetzt noch mehr Menschen überzeugen, Wohnraum an Menschen aus der Ukraine zu vermieten.

„Es werden immer weniger Wohnungen angeboten“

Lidia Ratt, die als selbstständige Maklerin arbeitet, möchte ehrenamtlich zwischen Wohnungssuchenden und Vermietern vermitteln. „Es werden immer weniger Wohnungen für Ukrainer angeboten, aber die Leute hören ja nicht auf, danach in Bad Bevensen, Bad Bodenteich oder Uelzen zu suchen. Wohnraum gibt es eigentlich nur noch irgendwo auf den Dörfern, wo aber keine oder kaum Busse fahren. Ich hoffe, dass neue Angebote reinkommen“, sagt Ratt im AZ-Gespräch.

Die Menschen würden sich zwar an die Kommunen wenden, hier seien aber die bürokratischen Hürden höher. „Privat zu vermitteln, geht viel einfach und schneller“, betont Lidia Ratt, die sich bei ihrer ehrenamtlichen Hilfe aber auch vor allem einer Zielgruppe verschreibt: „Ich konzentriere mich auf die Bedürftigen – auf Kranke, Alte, Behinderte. Auf die, die nicht so fit sind wie die junge Generation“, sagt die 31-jährige dreifache Mutter, die auch häufig von den Kommunen kontaktiert wird.

Vom Zimmer bis zur Wohnung für acht Köpfe

Sie überprüfe zunächst sämtliche Unterlagen der Ukrainer auf Vollständigkeit und Korrektheit, führe Besichtigungen ebenso durch wie die Schlüsselübergaben – ohne dass Kosten entstehen. „Oft haben Vermieter Angst, auch wegen der Sprachbarriere“, ahnt Lidia Ratt.

Sie schätzt aus ihren persönlichen Kontakten, dass 30 bis 40 Wohnungen aktuell im Landkreis Uelzen fehlen – vom einzelnen Zimmer bis zur großen Wohnung für die achtköpfige Familie. Immer wieder werden dem Landkreis kleinere Gruppen Geflüchteter zugewiesen, weitere Menschen kommen über private Kontakte.

Lidia Ratt hofft auf Meldung von Wohnraum

Auch aus der Hansestadt Uelzen oder aus Bad Bevensen war zuletzt wiederholt geäußert worden, dass das Angebot an Wohnraum zurückgehe und dass deshalb die Erstunterkunft in der alten KGS-Sporthalle in Bevensen stärker belegt sei als erhofft. Die Kommunen, die für den Zeitraum ab dem 1. Oktober eine Nachfolge-Liegenschaft benötigen, weil die KGS-Halle abgerissen wird, hatten deshalb erklärt, mehr als nur 50 Plätze vorhalten zu müssen. Denn die Vermittlung in privaten Wohnraum dauere inzwischen länger.

Lidia Ratt betreut rund 300 Menschen aus der Ukraine, für die sie Dokumente übersetzt oder Sachspenden auftreibt. Oft wird sie um weitere Unterstützung gebeten, muss aber absagen, weil ihr neben dem Thema Wohnungssuche, ihrem Job als Maklerin und ihrer Familie die Zeit fehlt. Wer ihr helfen und Wohnraum anbieten möchte, kann sie unter (0152) 37692995 erreichen.

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