Lebenszeichen

Gestern schaute meine Frau aus dem Fenster, ihr Gesicht erhellte sich, sie lächelte und rief mir zu: „Schau, die kleinen blauen Schmetterlinge!“ Vor meinem Arbeitszimmer flogen zwei kleine, leuchtendblaue Schmetterlinge im Liebestreiben vorbei.

Ihr Flug strahlte Fröhlichkeit und erwachtes Leben aus.

In dieser Jahreszeit, dem Frühling, kommen uns so viele Kleinigkeiten wunderbar und einmalig vor. Wir bleiben stehen vor kleinen zierlichen Blumen, staunenend beobachten wir, wie ein großer Baum mit einem Mal frisches Grün treibt, unser Herz schlägt freudig schneller beim klaren Gesang der vielen Vögel und jedes Jahr erneut bewundern wir den kühnen Flug der ersten Schwalbe, die noch keinen Sommer macht, die aber vom wiederkehrenden Leben kündigt. Im Sommer dann haben wir uns an die Fülle des Lebens gewöhnt. Dann reißt uns keine Schwalbe, kein Schmetterling mehr heraus aus dem Alltag, dann ist wieder alles normal, selbstverständlich.

Und es kommt mir so vor, als ob wir im Grunde von unserer Einstellung zum Leben her immer im Sommer leben. Oder haben Sie heute morgen schon einmal vorm Spiegel gestanden, und voller Staunen das Wunderwerk der Schöpfung Gottes gelobt und besungen? Haben Sie heute morgen schon Ihre Kinder froh und dankbar betrachtet oder waren diese - wie gewohnt - die alltägliche Rasselbande?

Gottes Schöpfung ist ein einziges Wunderwerk, vor dem wir ehrfürchtig zu stehen kommen, wenn wir es bewusst betrachten und nicht als alltägliche Selbstverständlichkeit gering schätzen. Zu dieser Sicht kann uns der Frühling mit seinem Erwachen der Natur führen. Leben ist ein großartiges Geschenk an uns Menschen, das wir dankbar entgegennehmen sollten. Dann stimmen wir mit dem Psalter ein: „Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.“

Ich wünsche Ihnen am kommenden Sonntag und alle Tage viele Schmetterlinge, vielleicht auch im Bauch, die Sie alle als einzigartiges Wunderwerk wahrnehmen. Um wie viel größer aber müsste unser Erstaunen sein, wenn wir uns als Gottes geliebte Kinder erkennen, jeden Tag neu.

Wir, in St. Petri, feiern diese Liebe Gottes am Sonntag mit einer Tauferinnerung. Kinder sind eingeladen, die vor fünf Jahren getauft wurden. Doch auch jeder andere, der sich in Gottes Liebe geborgen weiß, ist gerne willkommen, um das Fest des Lebens mitzufeiern.

Christoph Scharff-Lipinsky ist

Pastor in St. Petri und St. Marien in Uelzen.

Das Wort zum Sonntag finden Sie auch im Internet unter az-online.de/lokales/kolumnen

Von Christoph Scharff-Lipinsky

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