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Uelzens Landwirte warten auf Regen

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Von: Lars Lohmann

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Feldberegnung bei Himbergen
Die Beregnung wie hier auf einem Feld zwischen Himbergen und Kettelstorf, läuft aufgrund der ausbleibenden Regens wieder auf vollen Touren. © Lars Becker

Seit mehr als einem Monat ist kein Regen in Sicht. Dabei ist jetzt die Zeit, in der sich entscheidet, wie gut die Ernte ausfallen wird. 

„Die Pflanzen sind jetzt voll im Wachstum. Aber der April war viel zu trocken. Während im Süden zu viel Regen fällt, macht er einen Bogen um den Norden“, sagt Kreislandwirt Thorsten Riggert. Niederschlag ist nicht in Sicht. Daher läuft die Feldberegnung wieder auf vollen Touren. Und damit stehen die Landwirte vor der Frage, welche Feldfrüchte sie bewässern sollen, denn das Bewässerungskontingent wird laut Riggert nicht für alle ausreichen.

„Schwächste Frucht ist der Roggen, da wird meistens die Beregnung gestrichen“, sagt der Kreislandwirt. Das hat Konsequenzen: Zum einen sinkt der Ertrag, zum anderen sinkt aber auch die Qualität des Roggens. Dieser sei dann kein Brotroggen mehr, sondern Futterroggen. Dies sei auch in Anbetracht des Krieges in der Ukraine und des damit fehlenden Getreides, um die Weltbevölkerung zu ernähren, mehr als schlecht. Daher schlägt der Kreislandwirt vor, dass die Politik dieses Jahr ausnahmsweise 30 Millimeter zusätzlich für die Bewässerung des Getreides erlaubt.

Das müsse die Politik entscheiden. Wenn die Landwirte es einfach so machen würden, würde das auf das entnommene Grundwasser angerechnet werden und damit die erlaubte Entnahmemenge überschritten werden. „Wir könnten in Niedersachsen 300 000 Tonnen Getreide zusätzlich ernten. Das wäre gut in Anbetracht der Weltlage“, sagt Riggert. Dabei gehe es nicht darum, einen schnellen Euro zu machen, sondern einen Bedarf zu decken. Zudem ließen höhere Energiepreise und Düngemittelpreise die Kosten explodieren.

Das Wasser dafür sei grundsätzlich vorhanden. Das habe sich am Montag bei der Vorstellung des niedersächsischen Wasserversorgungskonzepts gezeigt. Jährlich bildeten sich in der Region 300 Millionen Kubikmeter Wasser neu. Alle Akteure, nicht nur die Landwirtschaft, würden 70 Millionen Kubikmeter jährlich entnehmen. „Im Gegensatz zu vielen anderen Regionen in der Welt werden wir absehbar keine ernsthafte Verknappung des Wassers erleben“, sagt Riggert. Es sei im Interesse der Landwirtschaft, das Wasser nachhaltig zu nutzen. In anderen Ländern, etwa Spanien, würde hingegen inzwischen bereits das Tiefengrundwasser abgepumpt und so unwiederbringlich die Umwelt zerstört. „Anschließend zieht die Karawane weiter, und es geht in einer anderen Region von vorne los“, sagt Riggert.

Es gebe aber durchaus Herausforderungen, denen man sich stellen müsse. So sei es wichtig, in Zukunft Wasser zurückzuhalten und mehrfach zu verwenden. Damit erhöhe sich die nutzbare Menge. „Wir Landwirte wollen mithelfen, für einen fairen Ausgleich aller Ansprüche zu sorgen“, sagt Riggert.

Im Landkreis Uelzen gebe es zum Beispiel Überlegungen, das Wasser aus dem Schöpfwerk im Schweimker Moor südlich von Lüder nicht mehr komplett abzuleiten, sondern teilweise auf den Feldern versickern zu lassen und so auch Grundwasser neu zu bilden. Was sich aber kompliziert gestaltet. Wie die Landwirtschaft sei auch der Bürger zu Hause gefordert, Wasser mehrmals zu nutzen.

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