Weniger Erstimpfungen und „Genesenen-Nachweise“

Landkreis Uelzen: 7-Tage-Inzidenz fällt auf monatelangen Tiefstwert

Shoppen im Einzelhandel der Soester Innenstadt geht nur noch mit negativem Coronatest.
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Mit dem Nachweis der Genesung entfällt die Testpflicht – etwa beim Einkauf.
  • Lars Becker
    vonLars Becker
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Die niedrigste Inzidenz seit über fünf Monaten, deutlich weniger Tempo bei den Erstimpfungen, dafür „Genesenen-Nachweise“ für jene, die eine Infektion überstanden haben: Das ist die neueste Entwicklung im Landkreis Uelzen in Sachen Corona-Pandemie.

Uelzen/Landkreis – Das ist eine höchst erfreuliche Nachricht: Die 7-Tage-Inzidenz pro 100.000 Einwohner im Landkreis Uelzen ist am Freitag weiter deutlich auf jetzt nur noch 21,6 gesunken. Das ist der tiefste Stand seit dem 9. Dezember 2020 (18,4). Selbst mit dem offiziellen Wert des Robert-Koch-Institutes (RKI) von 27,1 war der Landkreis am Freitag bereits derjenige mit dem viertniedrigsten Wert bundesweit. In diesem „Ranking“ könnte der Landkreis zeitnah sogar noch besser abschneiden.

Sechs bestätigte Neuinfektionen vom Freitag letzter Woche fielen aus der Berechnung der 7-Tage-Inzidenz heraus, nur eine kam neu hinzu. Dementsprechend reduzierte sich der Inzidenzwert um 5,5 auf 21,6. In Niedersachsen fiel er nach RKI-Angaben weiter um 6,0 auf jetzt 68,3.

Zwischen 1700 und 6200 Impfdosen weniger

Dass das Land Niedersachsen das Tempo bei den Erstimpfungen gegen das Coronavirus zwangsläufig zugunsten anstehender Zweitimpfungen drosselt, wirkt sich indes zwangsläufig auch auf den Landkreis Uelzen mit dem Impfzentrum in der Stadthalle und allen beteiligten Arztpraxen aus.

Nach Angaben aus dem Kreishaus erwartet man für die Kalenderwochen 20 bis 22 – also für die kommenden drei Wochen ab dem 17. Mai – insgesamt nur noch ca. 8800 Impfdosen. Die Gesamtliefermenge habe vorher bei ca. 3500 bis 5000 Impfdosen pro Woche gelegen, die für Erst- und Zweitimpfungen vorgesehen waren. Im Ergebnis könnten also zwischen 1700 und sogar 6200 Impfdosen weniger zur Verfügung stehen.

Es würden über das Land zwar alle vier Vakzine von Biontech, Moderna, Johnson & Johnson sowie Astrazeneca geliefert. Für Erstimpfungen vorgesehen seien aber lediglich ein kleines Kontingent von 300 Einheiten Johnson & Johnson sowie 1100 Einheiten Astrazeneca. Diese beiden Impfstoffe werden nach Beschlüssen der Gesundheitsministerkonferenz bundesweit regulär nur an Personen über 60 Jahre verimpft.

Impftermine werden nicht abgesagt

Wichtig zu wissen: Die Zahl der Erstimpfungen im Landkreis wird zwar in den nächsten drei Wochen sehr deutlich abnehmen, es müssen aber keine bereits vereinbarten Termine abgesagt oder verschoben werden. „Impfstoff wird erst mit der fixen Lieferzusage in das Terminsystem eingestellt und nicht bereits, wenn wir eine unverbindliche Vorankündigung erhalten. Dementsprechend müssen keine Absagen erfolgen“, so der Landkreis.

Auswirkungen hat die gedrosselte Liefermenge aber trotzdem. Denn während die Impfungen der Lehrer und weiteren Mitarbeiter der weiterführenden Schulen weitgehend abgeschlossen seien, müssten sich die Angehörigen der Feuerwehren und alle weiteren auf der Warteliste befindlichen Personen nun auf längere Wartezeiten einrichten.

„Hoffnung muss durch Impfzentren enttäuscht werden“

„Das ist sehr ärgerlich“, betont Landrat Dr. Heiko Blume. „Bund und insbesondere Land wecken durch die Öffnung immer weiterer priorisierter Gruppen – wie zum Beispiel der Feuerwehren – quasi im Wochentakt bei vielen Menschen die Hoffnung auf eine zügige Impfung. Diese Hoffnung muss vor Ort durch die Impfzentren enttäuscht werden, weil die Ankündigungen des Landes nicht mit ausreichend Impfstoff unterlegt werden.“

Bei Redaktionsschluss am Freitag waren im Landkreis Uelzen insgesamt 44.721 Impfdosen verabreicht worden: 34.751 im Impfzentrum (23.946 Erst- und 10.805 Zweitimpfungen) sowie 9970 in den Arztpraxen (9637 Erst- und 333 Zweitimpfungen).

Gesundheitsamt verschickt jetzt „Genesenen-Nachweise“

Die Niedersächsische Corona-Verordnung sieht ja aktuell für zahlreiche Aktivitäten eine Pflicht zur vorherigen Testung auf das Coronavirus vor – etwa beim Besuch der Außenbereiche von Cafés und Restaurants, des Einzelhandels oder bei sportlicher Betätigung in Gruppen. Befreit von der Testpflicht sind jedoch alle genesenen Personen, die nachweislich mit Sars-CoV-2 infiziert waren, wenn der Infektionsnachweis mindestens 28 Tage sowie maximal sechs Monate zurückliegt.

Der Zweckverband Gesundheitsamt Uelzen/Lüchow-Dannenberg wird deshalb nach Angaben von Freitag ab kommenden Montag, 17. Mai, damit beginnen, an alle Genesenen, die belegt durch einen positiven PCR-Test mit dem Coronavirus infiziert waren, einheitliche Genesenen-Nachweise zu versenden. Das sind aktuell fast 2000 Personen.

Beleg aus dem Kreishaus ersetzt die Test-Pflicht

Mit diesen Nachweisen könnten Betroffene belegen, dass sie nicht der Testpflicht unterliegen – etwa beim Einkaufen oder gegenüber Restaurantbetreibern, so der Kreis. Die Gültigkeit erstrecke sich auf den Zeitraum von mindestens 28 Tagen ab sowie bis maximal sechs Monate nach der die Infektion nachweisenden Testung.

Zudem diene der Genesenen-Nachweis zusammen mit dem Nachweis einer einmalig verabreichten Impfdosis, welche frühestens sechs Monate nach Genesung erfolgen kann, als Impfnachweis. „Bis zum Erhalt des Nachweises können die Genesenen ihre Befreiung von der Testpflicht mittels ihres Quarantänebescheides oder durch Vorlage der Laborbestätigung über einen positiven PCR-Test nachweisen, da auch mit diesen Dokumenten eine vorherige Infektion und das Datum der zugrundeliegenden Testung belegt werden können“, heißt es weiter.

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