„Küss mich, Kate!“

„Küss mich, Kate!“ Unter diesem Sendenamen hat die ARD am Freitag über sechs Stunden von der „Traumhochzeit des Jahres“ aus London berichtet. Und das war nur einer von vielen Sendern, die sich diesen medialen Höhepunkt nicht entgehen ließen.

10 000 Journalisten berichteten vom Ort des Geschehens, geschätzte zwei Milliarden Fernsehzuschauer weltweit sollen das TV-Ereignis des Jahres verfolgt haben. In Londons Westminister Abbey gaben sich Prinz William Mountbatten-Windsor und Catherine Elizabeth „Kate“ Middleton nach fast zehnjähriger Beziehung das Ja-Wort und feierten anschließend mit rund 1900 Gästen im Buckingham Palace. Vorher waren sie auf dem Weg von der Kirche zum Palast an hunderttausenden Menschen vorbei durch die Straßen Londons gefahren.

Da die Regierung den 29. April zum Nationalfeiertag erklärte, blieben Schulen, Banken, Büros, Ämter und Fabriken im Königreich geschlossen. Warum sprengen diese königliche Hochzeit und die daran anschließende Feier dermaßen den Rahmen? Ich glaube, der Grund ist der gleiche wie bei fast jeder Hochzeitsfeier, nur dass die Möglichkeiten des britischen Königshauses und die Erwartungen der Öffentlichkeit um ein Vielfaches größer sind: Die Hochzeit soll etwas bezeugen, wofür es eigentlich keinen Beweis geben kann: die Liebe des Brautpaares zueinander.

Es ist ein wenig wie in dem Kinderbuch „Weißt du eigentlich, wie lieb ich dich hab?“, in dem ein kleiner und ein großer Hase miteinander wetteifern, wie lieb sie sich haben. Bis sie sich darauf einigen: „Bis zum Mond und zurück“, so groß soll ihre Liebe sein, die ja letztlich unbeschreibbar bleibt. Und weil sie unbeschreibbar bleibt, soll sie umso großartiger gefeiert werden – mit den bescheideneren Möglichkeiten der „Normalsterblichen“ oder als „Traumhochzeit“, bei der Milliarden Menschen Zeugen sind. Das Problem der Unbeschreibbarkeit haben wir als Chri

sten ja auch mit dem, was wir am letzten Wochenende an Ostern gefeiert haben: mit der Auferstehung Christi. Selbst wenn 10 000 Journalisten von ihr live berichtet hätten, wäre das Wesentliche verborgen geblieben: die Liebe Gottes zum Leben und zu uns Menschen. Denn die Liebe lässt sich letzten Endes nicht beschreiben, sondern nur erfahren. Die Begegnung mit dem Auferstandenen findet nicht in feierlicher Atmosphäre statt, sondern bei der ganz alltäglichen, oft auch erfolglosen Arbeit.

Bei den ersten Zeuginnen findet die Begegnung mit dem Auferstandenen inmitten ihrer Trauer statt. Doch wenn wir in den feinen Rissen im Alltag in Jesus den Auferstandenen erkennen, wird gerade dann eine neue Wirklichkeit sichtbar, eine Kraft erfahrbar, die neue Wege beschreiten lässt. Dabei müssen wir uns nicht in höhere Sphären wegträumen, in eine Hochzeit aus „1000 und einer Nacht“. In der Arbeit, im alltäglichen Gespräch, in Sorgen und Nöten will er uns nahe sein, sein gutes Wort sagen, uns aufrichten.

Denn der Alltag ist der Ort der Fürsorge Gottes, der uns immer wieder neu mit Hoffnung erfüllt, das Mögliche zu tun und das Unmögliche Gott zuzutrauen. In der Liebe Gottes – und in der Liebe zueinander, sei es in Ehe, Familie, Freundschaft, Gemeinde, bei der Arbeit oder in all den Bezügen unseres Lebens – erfahren wir den lebendigen und auferstandenen Herrn an unserer Seite, am Ufer unseres Lebens.

Jürgen Bade ist Pastor an der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde in Bienenbüttel.

Von Jürgen Bade

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