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„Todesurteil für die Schweinehaltung“: Uelzens Kreislandwirt Thorsten Riggert kritisiert Cem Özdemirs Umbaupläne

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Von: Lars Lohmann

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Ein Schwein mit Ringelschwanz
Mit den Vorschlägen aus dem Bundeslandwirtschaftsministerium soll mehr Tierwohl über die Mindeststandards hinaus gefördert werden. © Hans-Juergen_Wege

Die Pläne des Bundeslandwirtschaftsministers Cem Özdemir für den Umbau der Schweinehaltung mit dem Ziel, mehr Tierwohl zu erreichen, sind in Deutschland bundesweit auf ein geteiltes Echo gestoßen. Während Umwelt- und Tierschutzverbänden die Regelungen nicht weit genug gehen, kritisieren Landwirte die Vorschläge.

Uelzen/Landkreis – Das ist das Todesurteil für die Schweinehaltung in Deutschland“, sagt Thorsten Riggert, Vorsitzender des Bauernverbandes Nordostniedersachsen. Eines der Probleme, die er mit den Vorschlägen hat, sind die Bedingungen, an denen Fördergelder für den Umbau der Ställe für mehr Tierwohl geknüpft sind. Mit der Obergrenze von 200 Muttersauen und 3000 Mastschweinen schließe man den Großteil der Betriebe von vornherein aus. „In Uelzen mag es vielleicht noch ein oder zwei Betriebe dieser Größe geben. Aber deutschlandweit geht das an der Realität vorbei“, kritisiert Riggert.

Überlebt hätten in den vergangenen Jahren vor allem die größeren Betriebe, während viele Schweinehalter der Größe, wie sie jetzt gefördert werden sollen, aufgegeben hätten. „Im Grunde ist das eine Träumerei, es wird so nicht klappen. Die Betriebe, die gefördert werden sollen, gibt es nicht mehr“, sagt Riggert. Zudem reiche die Marge nicht, um den Betrieb noch wirtschaftlich führen zu können. Bei zehn Euro pro Schwein blieben bei einem Deckel von 3000 geschlachteten Mastschweinen pro Jahr 30 000 Euro von denen Investitionen in Ställe, Lohn und Rente finanziert werden müssen. „Von 15 000 Euro im Jahr, die übrig bleiben zu leben, funktioniert nicht“, sagt Riggert.

Kritisch sieht er auch einige Details in den Förderbestimmungen. So seien zwar für die Abferkelbox weiterhin sechseinhalb Quadratmeter vorgesehen, aber die Sau müsse sich jetzt auf der Stelle drehen können. „Bei zwei Metern Sau kann sich jeder ausrechnen, dass es dann sieben Quadratmeter sind“, sagt Riggert. Dabei hätten viele Landwirte erst auf sechseinhalb Quadratmeter umgebaut. „Wir brauchen Verlässlichkeit bei den Regeln und nicht jedes Jahr etwas Neues“, erklärt Riggert. Ansonsten würden Landwirte, die letztes Jahr entsprechend dem Tierwohl in ihren Stall investiert haben, vor einem Scherbenhaufen stehen. „Wir hatten mit dem Borchert-Plan einen Weg, den wir gemeinsam gehen konnten, das wird jetzt beiseite gewischt“, sagt Riggert. Auch werde die angekündigte eine Milliarde Euro Förderung für vier Jahr nicht ausreichen. In dem von Experten ausgearbeiteten Borchert-Plan sei man von Förderungen von jährlich vier Milliarden Euro über zehn Jahre ausgegangen, um die Tierhaltung umzubauen, so Riggert.

Was die vorgeschlagene Freiwilligkeit für die Herkunftskennzeichnung bei Frischfleisch angeht, ist Riggert enttäuscht. „Dann werden die Supermärkte nur kennzeichnen, wenn es ihnen passt“, kritisiert Riggert. Die Gastronomie werde zudem komplett außen vor gelassen. „Im Gyros steht nicht drauf, wo es herkommt und unter welchen Bedingungen es produziert wurde“, meint der Landwirt. Der Verbraucher müsse aber wissen, ob sein Fleisch aus Deutschland kommt oder nicht. Er rechne, damit das Schweinefleisch auf jeden Fall doppelt so teuer wird, wenn die Pläne so umgesetzt werden.

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