Krematorium statt Grab im Garten

Von Jörn Nolting - Ein idyllischer Ort ist das kleine Dorf Emern in der Gemeinde Wieren. Vielleicht sogar etwas zu idyllisch und ruhig, denn sonst wären die Betreiber des Kleintierkrematoriums wohl kaum auf die Idee gekommen, diese Ruhe zu nutzen und dort bauen zu wollen.

Nun ist es allerdings amtlich: Die Baugenehmigung liegt vor und die Anwohner fühlen sich übergangen, denn die Pläne wurden hinter ihrem Rücken geschmiedet – was rein rechtlich auch völlig legitim ist. Auf der anderen Seite muss man sich natürlich auch als Betreiber fragen lassen, warum nicht schon im Vorfeld das Thema angesprochen wurde. Was für die einen ein Dorn im Auge ist, ist für die anderen eine Existenzgrundlage. Der wirtschaftliche Aspekt darf nämlich auch nicht außer Acht gelassen werden. Viele der Kritiker schieben auch Wierens Bürgermeister Peter Meyer den schwarzen Peter zu, denn bei dem Grundstück handelt es sich um seinen Hof.

Ein Krematorium ist dann aber eben doch etwas anderes als ein Güllesilo oder ein Hähnchenmaststall. Wer wäre im ersten Moment nicht verwundert, wenn einem der Nachbar offenbart, dass er auf seinem Grundstück ein Krematorium bauen will. Begeistert wären wohl die wenigsten Menschen. Was die Betreiber vielleicht noch gar nicht bedacht haben: Wie sollen denn die Besitzer eines Tieres in Ruhe trauern, wenn nebenan eine wilde Gartenparty gefeiert wird?

Dass eine solche Einrichtung durchaus ihre Berechtigung hat, ist ohne Frage. Die Nachfrage in vergleichbaren Krematorien ist groß, besonders in größeren Städten. Das hängt wohl auch damit zusammen, dass gerade Alleinstehende das Haustier wie ein Familienmitglied behandeln. In einer dörflichen Region wie dem Landkreis Uelzen werden Katzen und Hunde oft noch im Garten oder im Wald begraben, was rein rechtlich unter das Seuchenschutzgesetz fällt und verboten ist. Ein Kleintierkrematorium bietet einen würdevolleren Abschied.

Bedenken haben die Einwohner Emerns aber vor allem vor einem: dem Geruch. Im Vorfeld stellt sich die Frage, ob man den Versprechen der Betreiber nun glaubt oder nicht. Ob es wirklich stinken wird, zeigt sich allerdings erst, wenn die Anlage läuft. Dann sind die Betreiber gefordert, ihr Versprechen einzuhalten und so lange nachzubessern, bis nichts mehr zu riechen ist.

joern.nolting@cbeckers.de

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