Die Wochenrevue von Thomas Mitzlaff

Kreis Uelzen – zerlegt wie ein Stück Filet

Die Kommunalwahl ist gerade mal ein paar Tage her, da werden diverse Szenarien einer Gebietsreform für den Osten Niedersachsens an die Öffentlichkeit gebracht. An Zufall mag man da kaum glauben – sondern eher an gezielt lancierte Informationen, die Teil einer Gesamtstrategie sind.

Wenn man das beobachtet, muss einem Angst und Bange werden um den Landkreis Uelzen. Denn eines haben die Modell-Diskussionen um die Zusammenlegung und Zerschlagung von Kreisen deutlich gezeigt: Die Verhandlungsposition der Uelzener ist denkbar schwach – wenn sie denn überhaupt eine Wahl haben. Da ist zum einen der Umstand, dass das Bekanntwerden dieser Pläne die Verantwortlichen hier im Landkreis völlig kalt erwischt hat. Offenbar war niemand eingeweiht. Zum anderen aber ist da die Tatsache, dass der Kreis Uelzen bei diesen Plänen knallhart zerlegt wird wie ein Stück Filet – über die Köpfe der Betroffenen hinweg. Jüngstes Beispiel: Der Verlust einer eigenständigen Arbeitsagentur, der gestern beschlossen wurde (Bericht auf Seite 1). Das alles zeigt, dass Befürchtungen, die Uelzener „Macher“ könnten nicht die erforderliche Lobby für eine starke Position bei den bevorstehenden Gebietsreform-Verhandlungen haben, offenbar zutreffen. Uelzen wird fusionieren, das scheint unabwendbar. Ob mit den Landkreisen Lüchow-Dannenberg und Uelzen, oder ob der Norden Lüneburg und der Süden Celle zugeschlagen wird – das ist derzeit noch Spekulation. Aber es rumort hinter den Kulissen, die betroffenen Landkreise bringen sich in Stellung, Lüneburg sogar mit einem weiteren Hesse-Gutachten – also von jenem Mann, der in Deutschland gemeinhin als „Verwaltungsreform-Papst“ gilt. Und was will Uelzen? Was kann Uelzen überhaupt erreichen? Jetzt rächt sich, dass man sich jahrzehntelang abgeschottet hat – sei es der Anschluss an den Hamburger Verkehrsverbund, sei es die Verweigerung, wenn Tourismus- und Gewerbesteuer-Magneten wie der Center Parc sich ansiedeln wollten. Wer nicht mit der Zeit geht, muss mit der Zeit gehen – dieses Zitat trifft nicht nur für die Weltpolitik zu. Oder anders gesagt: Der hat nicht viel zu melden, wenn der Kuchen neu aufgeteilt wird.

thomas.mitzlaff@cbeckers.de

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