De kranke Koh

Wo sünd all de gönen Weiden, wo de Keuh und dat Jungveeh, de „Starken,“ grasen dän bläben? Wer kennt dan Utdruck „Starken“ noch? Uns Kinner könnt de Biller mit Veeh up Weiden sik kum noch vörstellen. So ändert sik de Tieden.

In fröheren Tieden wärn de Peer und de Keuh dat Kapital von de Buurn. Abends vörn tobettgahn güng de Buur noch mal dörch dan Stall üm natokieken, ob ok alles gesund wär. De Buur wär meistens sien eegener Tierarzt, denn de wör blot roopen, wenn Not an Mann wär, dat köst je Geld. Deshalb kenn jeder eegene Husmittel und ole Rezepte de man eerst utprobiern möß.

August Buur, wär bekannt, weil he fast för alle Krankheiten sün Husmittel parat har.

Wüß man mal nich wat man noch maken könn, denn wör he fragt. He gäw denn ok ümmer sien Ratschläge und freu sik, wenn he denn ok Erfolg har.

Veel snacken dä he nich, de Antworten wär kott, he wär, wie man dat so sä, „Mundfuul.“

As dan Naaber Fritz sien Kooh nu krank wär, güng he röber to em, üm Rat to halen.

„Du,“ seggt Fritz, „ik heff hört, dat dien Koh letzte Woch krank west hett, Fieber hatt hett, Dünnschiss und woll nich freeten. Mien Koh hett dat hüt genau so und Melk giwt de ok mich. Stimmt dat, dat dien Koh de sülben, wie seggt man, Symptome hat hett?“ Kotte Antwort: „Ja.“

Hest du dorgegen wat makt? De Antwort wär wedder blot: „Ja.“

Kannst mik mal seggen wat du makt hest? August sä wedder kott : „Ja.“

„Je und watt denn;“ frög Fritz?

„Pass up, du nimmst een Wienflasch und spöölst de ut, und denn kakst du Kamillentee, Löppel vull Solt mit rin, Buddel dreeveddel vull geeten, Teelöppel gröne Dropen to rin und bet’n Holundersaft dorto..

Fritz frög noch: „Mutt dat hitt wesen oder koolt.“ Kotte Antwort; „lau.“

„Je,“ meen Fritz, „und denn von de Siet in’t Muul gäben, nich wohr?“

As Antwort kreeg he wedder blot, „Ja.“

Fritz bedank sik, güng na Huus mit dan Rat und hett dat genau so makt wie August dat seggt hett.

Wie nu an annern Morgen Fritz in Stall kummt, liggt sien kranke Koh dor, de Tung kiekt ut’n Hals, de Oogen verdreiht, alle veer Been von sik streckt und is mausedood.

He is glieks röwerloopen na Buurs August und seggt em: „Du, mit mien Koh heff ik dat genau so makt, as wie du mik dat seggt hest, mit dan Buddel und dan Kamillentee, Solt und dat andere. Mien Koh hett dat nich verdragen, de is doran verreckt, is dood gahn, wat seggst du nu?“

August treckt de Schullern hoch und seggt: „Mien ok.“

„Wat, dien Koh ok, frög Fritz, „dat harst du mik doch seggen mößt!“

So wie ümmer köm de dröge Antwort von August: „Harst je mik fragen könnt, du hest je nich doornah fragt und bist glieks na Huus loopen.“

Carl Friedrich Bautsch ist gebürtiger Groß Hesebecker und schreibt als Heimat- dichter über Land und Leute der hiesigen Region. Die AZ-Kolumne „Dütt un Datt up Platt“ finden Sie auch im Internet unter az- online.de/ kolumnen.

Von Carl Friedrich Bautsch

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