Koppräken

In de School mössen wie bannig veel Koppräken maken. Dat hett uns bestimmt nix schad.

Een Geschicht de sik vör 60 Johr affspält hett. Domals kösten de Eier noch 5 Pennig

Brötchen kreeg man 4 Stück vörn Gröschen, also 10 Penn. Heringe kösten 15 Penn. Gah hüt mal los mit 10 Cent und du wullt dor wat vör kööpen, dor musst aber lang na söken.

Koppräken, nee, dat könn Müllers Karl nich good. Söll he mal ut’n Kopp wat uträken, denn streng he sienen „Dötz“ gornich eerst an und sä ümmer up Hochdütsch: „Religion gut, Kopfrechnen schwach!“

Eenmal aber frög em denn eener: „Denn weest du sicher, wann Luther gebor’n is und wann he Dood bläben hett?“ Je, dat wüß he ok nich. Von do an hett he sienen Spruch nich mehr upseggt.

Güng dat aber üm Geld bi’n Skatspäl’n, denn könn he alles ut’n Kopp ganz fix uträken. Har he gewunnen, tell alles rasch up: „Mit drei’n, Spiel vier, Schneider fünf, mal Pik macht fünfundfünfzig!“

„Minsch“, meen Kaisers Willi, de as „Kiebitz,“ as Tokieker, dor mit an Disch seet: „Du kannst je bannig fix ut’n Kopp räken. Kannst du mal uträken, wenn anderthalv Heringe föftein Penn’ köst, wat söbenundtwindig Heringe köst?“

„Nee,“ sä Müllers Karl, „dat is doch to schwor, söbenundtwindig gedeelt dörch...nee, dor musst Papier und Bleewstift halen, dat kann ick in’ Kopp nich uträken?“

„Du Dööskopp,“ antwort em Willi, „dat kannst doch öcht uträken. Wenn anderthalv Hering föftein Penn köst, denn köst de Hering genau een Gröschen, denn sind dat Tweemarksömtdig, is denn dat so schwor?“

„Kiebitze hefft dat Muul to hol’n, du bringst hier uns noch ganz dörcheenanner; so dumm as du fragen kannst, kannst je gornich räken,“ sä Karl und misch flink de Korten.

Koppräken hüt in de Tied, wo dat Taschenräkner giwt, hebbt wie doch gornich nödig.

Fröher, wenn in de School de Räkenstund anfüng, wörn erst mal von Lehrer poor Upgaben stellt, tohopentelln, malnemmen, deelen, afftrecken, alles achtereenanner u’tn Kopp. Denn stell he glieks de Fraag: „Na wie viel?“ Dat hett uns domals mächtig holpen, denn jeder woll je de Eerste, de Beste sien.

De Methode wör hüt ok noch hölpen. Jeder aber räkt mit sien Taschenräkner, geiht doch veel rascher, worüm dan Kopp, dan „Dötz, wie man dat ok up Platt seggen dä, anstrengen.

Gott sei Dank, is de Tied mit de Logorhytmentafeln vörbi. Woto brukt wie eegentlich bi uns Dezimalsystem noch de Bruchräknung? Wer räkt denn noch zwei Viertel mal sechs Siebtel? Mit dat Dezimalsystem geiht dat doch ok.

Seggt mal een Schaper: „Giw du mik een Schaap von dien Herde to, denn heff ik mal soveel as du.“ „Nee,“ meen de andere, „giw du mik een von dien Herde een Schaap, denn hebbt wie beide de glieke Anzahl?

Dat kann man uträken, geiht nich? Stellt man aber düsse Frag mal siene Freunde denn gäwt de meisten up. De fangt eerst gornich an to räken. Wie sall he dat ok in sien Taschenräkner in gäben. (De een hett 7 Schaap, und de andere 5, kannst je mal naräken.)r“

Carl Friedrich Bautsch ist gebürtiger Groß Hesebecker und schreibt als Heimat- dichter über Land und Leute der hiesigen Region. Die AZ-Kolumne „Dütt un Datt up Platt“ finden Sie auch im Internet unter az- online.de/ kolumnen.

Von Carl Friedrich Bautsch

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