Konfrontation statt Konsens

Im Juli war‘s zu heiß, im August/September zu nass und nun zu trist und dunkel: Uelzens SPD zog in dieser Woche die Notbremse und verabschiedet sich von der Testphase einer Fußgängerzone in der Veerßer Straße. Manch ein Erklärungsversuch kommt ein wenig so daher wie das alte Fußballer-Bonmot „Erst hatten wir kein Glück, und dann kam noch das Pech hinzu“.

Doch das trifft es nicht. Dieses Projekt ist nicht am Wetter oder an widerspenstigen Anliegern gescheitert, sondern an der Herangehensweise einzelner Beteiligter.

Die Belebung der Innenstadt hatte Bürgermeister Otto Lukat Anfang des Jahres zur Chefsache erklärt und die Leitung einer Arbeitsgruppe übernommen. Doch die ist über das Thema Fußgängerzone kaum hinaus gekommen. Und dabei stand unterm Strich weniger das „Wie?“, sondern vor allem das „Ob?“ im Mittelpunkt. Zwar gab es eine Reihe von Alternativen – doch wohin die Reise gehen sollte, war unschwer zu erkennen.

Am Ende, das eigentlich noch lange kein Ende war, musste vor der Sommerpause auf Biegen und Brechen ein Beschluss her. Ein Jahr vor der Kommunalwahl sollten Fakten geschaffen werden. Obwohl es in der Arbeitsgruppe dafür keine Mehrheit gab –  die hatte man sich lediglich sehr kreativ zusammengerechnet. Es gab kein Geld und eine keine wirkliche Idee, damit diese freie Fläche eine Wirkung entfalten konnte.

Immerhin: Dass dieser Zustand keine 100 Tage überdauerte, mag man als Fortschritt in der Uelzener Politik ansehen. Just nach einem Wochenende, an dem man praktisch gegen den Willen aller Betroffenen alte Autos an frischen Waren durchgeschleust hatte und es kaum noch einen Anlieger gab, der wohl nicht gegen das Fußgängerzonen-Projekt unterschrieben hatte – da blieb nicht viel mehr als der Rückzug.

Die missglückte Oldtimer-Durchfahrt zeigt noch augenfälliger das Problem auf: Ohne nennenswerte Einbindung von Betroffenen und der Gemeinschaft wird etwas durchgeboxt. So erreicht man nur das Gegenteil dessen, was eigentlich gewollt war und ist.

Die Veränderungsbereitschaft von Menschen ist ohnehin geringer, als es manch einer erhofft oder gar erwartet. Wenn dann auch noch die Suche nach einem Konsens unterbleibt, darf man sich über die Konfrontation nicht wundern.

Da kommt vielleicht das Bürgerforum gerade recht, das ein Uelzener Bauunternehmen der Stadt jetzt spendet – mit der durchaus pikanten Anmerkung, „damit die Diskussionskultur in der Stadt und auch die politischen Diskussionen gefördert und belebt werden“.

Man habe es doch gut gemeint. Für Uelzen. Das ist meist noch das letzte Argument, das bei verfahrenen Situationen gerne bemüht wird. Was aber bitte auch sonst? Wer will schon etwas Schlechtes für die Stadt! Nur muss man es dann eben auch gut machen. marc.rath@cbeckers.de

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